Archäologische Untersuchungen in Biel/Bienne: Spuren von mittelalterlichen Handwerkern direkt vor unserer Nase. In einer Medienmitteilung Anfang November wird vom Kanton Bern erklärt, worum es genau geht.

Wappen der Stadt Biel
Auf dem ehemaligen Gassmann-Areal in Biel hat der Archäologische Dienst des Kantons Bern Spuren von mittelalterlichem Handwerk entdeckt. Die Untersuchungen zeigen, dass das Gassmann-Areal über Jahrhunderte intensiv gewerblich genutzt wurde. Vor allem Färber und Gerber liessen sich an der Stadtschüss nieder. Der Archäologische Dienst und das Museum Schwab präsentieren die Ergebnisse der Grabungen am Freitag, 7. und Samstag, 8. November 2008 der Öffentlichkeit.
Weil der auf dem ehemaligen Gassmann-Areal geplante Neubau tief in den Untergrund eingreift, werden archäologische Reste unwiederbringlich zerstört. Deshalb hat der Archäologische Dienst des Kantons Bern in den letzten Monaten Notgrabungen durchgeführt. Das Gassmann-Areal liegt am Rand der mittelalterlichen Stadt, direkt ausserhalb der Stadtmauern. Es gehörte zum “Ablass”, wie das ganze Gebiet nach den dort verlaufenden Entwässerungsgräben genannt wurde. Im Mittelalter hatten sich dort Handwerker niedergelassen, die vom Wasser abhängig waren, vor allem Färber und Gerber.
Die Untersuchungen des Archäologischen Dienstes zeigen, dass das Gelände den Namen “Ablass” zu Recht trug. Es lag in der Schwemmebene der Schüss und war weitgehend versumpft. Noch heute drückt die Schüss ins Gelände. Deshalb wurden auch keine klaren Niveaus gefunden. Die Menschen versuchten dem Wasser und der Feuchtigkeit immer wieder mit Aufplanierungen zu entgehen.
Spuren aus der Zeit der Stadtgründung fehlen vollständig. Es gibt bisher weder prähistorische noch römische Scherben. Aber auch Hinweise auf das für Biel vermutete Frühmittelalter kamen bisher nicht zum Vorschein. In Bezug auf die Bauten bestätigten sich jedoch die Erwartungen: Vor dem 19. Jahrhundert gab es auf dem Gelände keine grösseren Häuser. Die Archäologen stiessen aber auf eine Unmenge von Gewerbespuren in Form von Gräben, Gruben und Leichtbauten. Diese belegen, dass auf dem ehemaligen Gassmann-Areal über Jahrhunderte hinweg intensiv gearbeitet und produziert worden war.
Die ältesten Gräben und Gruben aus dem 13. und 14. Jahrhundert geben keine Hinweise auf das dort ausgeübte Handwerk. Aus dem 15. oder 16. Jahrhundert stammen vier mit Steinen gefüllte Gräben, die als Fundament einer dreischiffigen Gewerbehalle gedient haben dürften. Weiter südlich lag eine grosse Anzahl von Gruben, Gräben und Holzpfostenlöchern, die eine intensive handwerkliche Tätigkeit belegen.
Im 17./18. Jahrhundert wurde versucht, das Gelände mit einer Aufplanierung trockener zu machen. Es fanden sich Reste eines grossen Holzbaus mit einer Bodenkonstruktion, die mit Lehm abgedichtet war. Es handelt sich wahrscheinlich um eine Produktions- oder Lagerhalle für eine Gerberei. Um 1800 herum dürfte das Areal dann vorwiegend als Garten gedient haben. Ab den 1830er Jahren begann die moderne Überbauung. Die ältesten dieser Gebäude hatten Fundamente aus massiven Findlingsbrocken. Aus dem 20. Jahrhundert stammen Betonfundamente, verschiedene Öltanks und Keller.
