Category Archives: Kulturen & Völker

Die gezeichnete Welt der Neandertaler

Beeindruckende Handzeichnungen, Szenen aus einer vergangenen Zeit: Emmanuel Roudier Neandertal Comics wecken Neugierde …

In seinem Blog bietet Emmanuel Einblicke in seine Skizzen und neusten Illustrationen, sowie auch einige “Bonus” Zeichnungen für Fans.

Sehr beeindruckend ist die4 einheitliche Stimmung, die in seinen Zeichnungen zum Tragen kommt. Es scheint fast so, als wäre Roudier in eine Zeitmaschine gestiegen und wahrhaftig dabei gewesen, hätte Skizzen von Szenen4 lebender Menschen und Tieren umgesetzt. Dabei wirken seine Zeichnungen niemals faktisch sondern vielmehr mystisch, emotional, gar liebevoll. Der Grund dafür liegt sicherlich in der4 Art der Präsentation sowie auch der Wahl der Szenen. Emmanuel Roudier zeigt keine barbarischen, primitiven Neandertaler, für welche sie oftmals zu Unrecht gehalten werden. Er zeigt die Urzeitmenschen bei kultischen Ritualen, Begräbnissen und Alltagsmomente. Und wir müssen ihm bei vielen seiner Darstellungen Recht geben. Keinesfalls waren die Neandertaler primitive Wesen, die wie “Tiere lebten”. Wie neuste wissenschaftliche Forschungen zeigen, hatten die Neandertaler bereits das Wissen um ihren eigenen Tod, vollzogen Rituale und stellten unter anderem auch Schmuck her. Womöglich besassen sie daher bereits ihre eigene religiöse Vorstellungen, ihre eigene Naturreligion.

Emmanuel Roudier bespricht in seinem Blog nicht nur seine NEANDERTAL Comics, sondern kommentiert auch seine Neandertaler Szenen und verweist auf Hintergründe, die ihn zu seinen Bildern bewegten. Auf seinem Blog sind zudem auch stets neue unveröffentlichte Skizzen zu finden.

Unser Tipp: Wer sich für die Zeichnungen von Emmanuel Roudier interessiert, sollte sich unbedingt zu Weihnachten einen NEANDERTAL Comic selber schenken oder schenken lassen ;-) .. es lohnt sich!!

NEANDERTAL von Emmanuel Roudier

NEANDERTAL von Emmanuel Roudier

(C) Emmanuel Roudier

(C) Emmanuel Roudier

Das Zahlensystem der Mayas

Das Zahlensystem der Mayas ist ganz ähnlich dem unserigen und daher für uns auch sehr leicht zu verstehen. Während die Null eine Muschel (genauer: eine leere Muschel) darstellt sind alle nachfolgenden Zahlen bis Vier durch Punkte gekennzeichnet. Die Fünf wird mit einem Balken dargestellt und gemäss der Logik ist die Sechs dann ein Balken und ein Punkt. So geht es weiter bis zur Neun, welche aus 4 Punkten und einem Balken besteht. Die Zehn wird mit zwei Balken symbolisiert. Punkte haben also stehts einen Einer-Wert, während Balken einen Fünfer-Wert annehmen. Einfach, nicht wahr?

Maya Zahlensystem

Das Maya Zahlensystem ist übrigens das einzig erhaltene schriftliche Zahlensystem aus dem alten Mesoamerika. Die Zählweise basiert aber im Maya-Zahlensystem, nicht wie man zunächst meinen könnte auf dem Dezimalsystem, sondern auf dem Zwanzigersystem. Eigentlich auch ganz vernünftig, denn schliesslich hat der Mensch nicht nur seine beiden Hände zu je fünf Fingern, sondern auch noch zwei Füsse zu je fünf Zehen = 20.
Nebst den Zahlenziffern (Links: Darstellung der Zahl 20) gab es zusätzlich Glyphen, welche für die Darstellung der Zahlen dienten:

Glymphen zur Zahlendarstellung
Zahlenglyphen – auffallend die erste Zahl (Null, mit einer menschlichen Hand)

Eine Null wurde mit einem speziellen Glyphensymbol dargestellt, dass einen Kopf zeigt, dessen Unterkiefer aus einer Hand bestand. Die 20 wird mittels der Mond-Glyphe dargestellt.

Die Mayas und der Mythos der verschollenen Zivilisation

Als vor einigen hundert Jahren in Copán die Überreste von Maya-Ruinen gefunden wurden, war man überrascht, ja sogar schockiert über die Entdeckung einer fortgeschrittenen Kultur im tiefsten Dschungel. Wer waren diese Menschen, wie konnten sie solche Bauwerke errichten und was hat zum Untergang der Kultur geführt?

Maya Tempel in Tikal

Maya Tempel in Tikal

Die vom Dschungel überwucherten Ruinen müssen damals das Weltbild des amerikanischen Entdeckers erheblich ins Schwanken gebracht haben. Wieviele solcher Ruinen existieren noch? Können wir diese Zivilisation je verstehen?, muss er sich gefragt haben. Und wohin verschwanden die Menschen, die Bewohner dieser gewaltigen Steinstädten? Klar, dass während der nachfolgenden Jahre viele Thesen aufgestellt wurden, was mit der Maya Zivilisation denn nun geschehen sei.

Doch die Wissenschaft sah vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr: Die Mayas war nie verschwunden oder verschollen. Selbst die indigenen Personen, welche den Amerikanern die Copán-Ruinen zeigten, besassen womöglich Maya-Blut. Besucht man Belize, Guatemala oder auch Mexiko so trifft man vielerorts auf Menschen indianischer Abstammung die auch heute noch Sprachen wie Kakchikel oder Quiché sprechen, Sprachen, welche sich aus der Ur-Mayasprache entwickelten. Dabei fällt auf, dass viele Wörter ähnlich klingen. Die Ur-Sprache wird oft “Yukatek” genannt und wird immer noch von über 450’000 Menschen auf der Yucatan-Halbinsel und Honduras gesprochen. In Mexiko sprechen mindestens 100’000 Menschen Tzotzil, 100’000 Tzeltal, 50’000 Chol und 20’000 Chontal. In Guatemala sind die vier wichtigsten Indianersprachen Quiché (über 500’000), Kakchikel (500’000), Mam (250’000) und Kekchi (250’000), wobei der Kekchi-Dialekt in Belize gesprochen wird. Die vielen verschiedenen Sprachen und Dialekte sind teilweise seit Tausenden von Jahren fast unverändert geblieben oder haben sich nur minimal verändert. Maya-Indianer und Verwandte der Mayas sind also auch heute noch überall in Mittelamerika bzw. den zuvor erwähnten Ländern zu finden. Von wegen verschollene Zivilisation!

Die Mayas sind und bleiben ein missverstandenes Volk, welches seit Tausenden von Jahren die schwierigsten Zeiten überdauert hat und noch heute existiert. Die Mayas sind somit keine “Lost Civilization” (verschollene Kultur), wie sie oft genannt wird. Das Maya Volk verliess zwar um ca. 900 nach Christus die uralten Maya-Städte wie unter anderem Tikal, hat sich dann aber schliesslich in ganz Yucatan zerstreut niedergelassen. Gründe dafür sind bis heute unklar. Eine interessante Theorie ist, dass der Effekt des “Untergangs” von Teotihuacan, der aztekischen Metropole in Mexiko, derart gewaltig auf Yucatan gewirkt hat, dass die Mayas aus ihren Städten vertrieben wurden oder diese freiwillig verliessen. Der Mythos der verschollenen Zivilisation war und ist somit nichts weiter als ein Überlegungsfehler. Findet man verlassene Städte, so bedeutet dies noch lange nicht, dass man schlussfolgern darf, dass auch die gesamte Kultur untergangen ist. Vielmehr hat sich die Maya-Kultur nach und nach verändert, bis heute.

Die alten Mayas – ein blutrünstiges Volk?

Spätestens mit Mel Gibson’s Film “Apocalyptico” wurde der modernen Unterhaltungswelt die “endlose Blutrünstigkeit der Mayas” vor Augen geführt – im wahrsten Sinne des Wortes. Doch haben der Regisseur mit seiner filmischen Darstellung und die vielen Forscher und Wissenschaftler recht, wenn Sie sagen: Mayas übten blutrünstige Menschenopfer-Riten aus? Oder täuschen Sie sich gewaltig?

Ausschnitt aus dem Film Apocalyptico

Ausschnitt aus dem Film Apocalyptico

Alleine der Fakt, dass die alten Mayas früher geschickt medizinische Operationen beispielsweise an den Zähnen oder auch am Gehirn durchzuführen wussten, ist beeindruckend. Zudem wussten die Mayas von den verschiedensten astronomischen Ereignissen, wie beispielsweise der Sonnenaktivität (genauer: Sonnenflecken) oder Mondfinsternissen, welche sie als wichtige Jahrespunkte in ihren Kalender integrierten. Sie beherrschten also bereits damals die Wissenschaft der exakten Astronomie und waren imstande architektonische Meisterleistungen zu vollbringen. Und dies zu einem Zeitpunkt, wo unsere Kulturen sich noch in der tiefsten Steinzeit befanden(!!). Bereits solche beispielhaften Fakten lassen Zweifel aufkommen, ob eine derart fortgeschrittene Zivilisation überhaupt zu derartiger Blutrünstigkeit fähig sein konnte. Wer schon einmal Yucatán besuchte und sich Mayastädte wie Copán oder Tikal zu Gemüte führte, der weiss von was ich spreche.

Wer waren nun die alten Mayas wirklich? Wenn es keine Barbaren gewesen sind, warum führten sie dann Menschenopfer durch? Betrachten wir einmal einige wichtige archäologisch und anthropologische gestützte Fakten: Die Menschenopfer waren hauptsächlich höhergestellte Mayas und zur Elite gehörende Menschen. Es scheint fast, als ob diese sich meist bewusst den Opferungen zur Verfügung stellten. Dies bestätigen verschiedenste Abbildungen und Maya Glyphen, wenn auch auf einigen davon Mayas mit Handfesseln zu sehen sind. Die Opfer waren also keine “gewöhnlichen Menschen”. Und befasst man sich mit den Maya-Mythologien ein wenig ausgiebiger so wird auch schnell klar, dass es “normalen” Menschen damals sogar untersagt gewesen sein muss, sich Opfern zu lassen. Denn nur einige wenige Auserwählte durften sich einem solchen Ritual hingeben. Ja, es muss damals sogar ein freudiges Ereignis gewesen sein, wenn man sich Opfern lassen durfte. Und ich glaube auch fest daran, dass diese Menschen damals keine Angst vor dem Tod gehabt hatten. Sicherlich ist dieser Punkt schwer zu beweisen, jedoch lassen die vielen Todes-Götterdarstellungen und Ballspielplätze die Vermutung zu, dass das Sterben Teil des normalen Lebens war und nicht wie in unserer Kultur, in der der Tod ein unerwünschter Prozess darstellt. Ein weiterer Fakt ist auch, dass es keinerlei Beweise für Massengräber oder Massenopferungen bei den alten Mayas gibt. Die Quantität schien den Mayas also nicht wichtig, viel mehr die Qualität der Opferungen. Gewisse Thesen gehen davon aus, dass hauptsächlich besiegte Könige und Hochrangige geopfert wurden. Die Opferrituale seien dann auf eine besonders exakte und langsame Weise durchgeführt worden, weil diese spirituell wie politisch für das Volk der Mayas gefährliche Feinde darstellten. Jedoch beantworten auch diese Thesen nicht alle Fragen und Unklarheiten.