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Nisa erzählt. Marjorie Shostak und die Postmoderne

NisaPostmoderne

Die Postmoderne bezeichnet eine Epoche und geistig-kulturelle Bewegung, die schwer zu definieren ist, aber weitgehend durch ihre Zurückweisung – nach anderer Meinung Vollendung – der Moderne unterschieden werden kann. Diskussionen darüber begannen in den Siebzigern.
Die Postmoderne Ethnologie sah ihre Aufgabe darin, die Problematik der Repräsentation bewusst zu machen. Demzufolge war man auf der Suche nach alternativen Repräsentationsformen. Neben neuen Formen ethnographischer Repräsentation folgte auch die Aufwertung entsprechender Texte wie zum Beispiel Autobiographien, Kunstwerke, den Einbezug von Emotionen und polyphonen Darstellungen. Diese gemässigten Formen sind heute weit verbreitet. Wie nun die gemässigte Form mit unterschiedlichen sozialwissenschaftlichen Ansätzen vereinbar ist, zeigt Shostak in diesem Werk ‚Nisa erzählt‘. Dort zeigt sie den kulturökologischen Standpunkt auf, sowie die Reflexion Beziehung Ethnographin – Informantin. In ihrer Darstellungsform sprechen Betroffene.
Reflexivität spielt eine wichtige Rolle. Dem Leser soll die Möglichkeit zur Kontextualisierung gegeben werden. Dies soll zur Ausschaltung eigener kultureller Vorurteile führen. Somit kommen wir zu einem weiteren Merkmal der postmodernen Ethnologie: die Kritik an stereotyper Konstruktion des ‚Anderen‘, sowie die Kritik der Machtausübung mittels Stereotypen. Ebenfalls wird die Autorität des Ethnographen in Frage gestellt. Feminismus war eine aufkommende Bewegung im Westen. Shostak’s eigene feministische Einstellung war auch Motivation, die Kung Frauen zu studieren. Ihre Arbeit ist sicherlich ein anthropologischer Text, sie ist jedoch auch in die feministische Literatur einzuordnen.

Methode
Shostak war nicht die erste, die bei den Kung Feldforschung betrieben hatte. Vor ihr waren Irven DeVore und Richard Lee bereits 1963 dort. Shostak sagt, dass sie deren Arbeiten und Ergebnisse sehr wohl gelesen habe, keine davon hätten jedoch ihre Neugier über die Gefühle, Hoffnungen und Ängste der Kung befriedigen können. Shostak wollte eine andere Art von Ethnographie schreiben. Eine Geschichte über eine andere Kultur, erzählt aus der Perspektive von einer Frau, meist in deren eigenen Worten. Jedes Kapitel beginnt mit einem allgemeinen ethnographischen Bericht, eine Art wissenschaftlicher Kontext, geschrieben von Shostak. Darauf folgt eine abgestimmte Version von Nisa’s eigener Beschreibung über ihr Leben.

Wie erschloss sie die Daten? Sie sprach die Sprache der Kung San. Ihr Hauptinteresse galt der Rolle der Frau in der Gesellschaft der Kung San. Somit begann sie, Lebensgeschichten der dortigen Frauen niederzuschreiben. Das spezielle an ihrem Vorgehen war, dass sie sich den Kung Frauen nicht als Anthropologin präsentierte, sondern als jemand wie sie, die sich mit Themen wie Liebe, Heirat, Arbeit und Identität auseinandersetzt, genau wie die Kung Frauen auch. Dies mag ein wenig amateurhaft klingen, jedoch resultierten aus ihrer Arbeit bemerkenswerte Ergebnisse. Die Beziehung zwischen Shostak und Nisa war wie eine Schüler – Lehrer Beziehung, in der Nisa die Rolle der möglichst objektiven Lehrerin übernahm, die Shostak über das ‚Frau sein‘ in der Kung Gesellschaft informierte. Shostak führte 15 lange Interviews, 4 Jahre später folgten 6 weitere. Dabei verglich Shostak Nisa’s persönliche Geschichten mit ihren eigenen objektiven Beobachtungen über das Leben der Kung. Shostak hatte aber auch Kontakt zu vielen anderen Kung Frauen deren Aussagen die Aufrichtigkeit Nisas bestätigten. Dafür bezahlte sie auch. In erster Linie ist der Fokus in Shostak’s Buch auf eine einzelne Person gerichtet. Dies war eher ungewöhnlich neben anderen zu der Zeit anerkannten anthropologischen Texten. Shostak schrieb Nisas Geschichten möglichst ohne in eine Richtung zu drängen nieder.

Kritik an der Postmoderne
Die Kritiker der Postmoderne sehen in den interpretativen Vorgängen einen Verlust an Wissenschaftlichkeit, die stets auf Intersubjektivität basieren muss.
Den postmodernen Autoren wird vorgeworfen, dass sie sich mehr mit ihren eigenen Methoden und mit ihrer eigenen Person beschäftigen als mit dem Forschungsgegenstand. Nach zwei Dekaden „writing-culture-Debatte“ sind die kritischen Fragen der Autorenschaft hinreichend diskutiert worden, ohne die grundlegenden Probleme gelöst zu haben.

“Die Postmoderne Ethnographie ist von den Literaturwissenschaften inspiriert, dies sieht man zum Beispiel an ihrem Romancharakter. Ethnographien beeinflussen den Blick auf das Fremde. In der postmodernen Ethnographie werden Standpunkte und Perspektiven des Ethnologen untersucht, zum Beispiel: Wie etabliert sich ethnographische Autorität? Die Gesellschaft wird als Bündel von Sichtweisen und Interpritationen angesehn. Die Existenz absoluter Wahrheiten wird verneint, da sie in den gesellschaftlichen Kontext eingebettet sind (alles verändert sich). Die postmoderne Ethnographie stellt eine überfällige Kritik an der eigenen Gesellschaften und der eigenen Wissenschaft (Selbstreflektion) dar. Zwei Tendenzen lassen sich unterscheiden:

  • Erstens die Beschäftigung mit dem eigenen Fach (Kritik) und zweitens
  • Die Suche nach neuen Wegen (neue Teilbereiche und neue Arbeitsfelder der Ethnologie).

Diealogische und diskursive Verfahren werden vermehr eingesetzt. In den Re- studies wird “Altes” neu gelesen, in einen politischen Kontext verortet und Schreibstrategien untersucht.

Kritik an der Postmoderne Ethnographie wurde vor allem an den interpretativen ( subjektive) Vorgängen geübt, die als Verlust an Wissenschaftlichkeit angesehen werden. Ein weiterer Punkt der Kritik stellt die Tatsache dar, dass der Forschungsgegenstand hinter die Reflexion über eigene Methodenund die eigene Personen tritt. Die Frage stellt sich: Sind die alten Probleme wirklich gelöst worden?

Quellen / Weiterführende Links

  • http://dieoff.org/page107.htm
  • http://chnm.gmu.edu/worldhistorysources/unpacking/acctsanalysis2.html
  • http://www.sparknotes.com/lit/nisa/context.html
  • http://www.anthrophoto.comhttp://www.brainworker.ch/Dialog/postmoderne.htm
  • http://www.ethnologie.lmu.de/downloads/HM/EinfuerungInDieEthnologie2007_08.pdf
  • http://willie.itg.uni-muenchen.de:9077/downloads/HM/EinfuehrungInDieEthnologie2007_08.pdf