Margaret Mead war eine US-amerikanische Anthropologin und Ethnologin. Margaret Mead gilt als eine der entschiedensten Vertreterinnen des Kulturrelativismus im 20. Jahrhundert. Sie vertrat die Auffassung, dass Sozialverhalten formbar und kulturbestimmt sei. Besonders in den 1960er und in den 1970er Jahren waren ihre Arbeiten sehr populär. Mead galt mit ihren Studien über die Sexualität in südpazifischen Kulturen als eine Wegbereiterin der sexuellen Revolution. Seit den 1980er Jahren wurde verstärkt Kritik an ihren Forschungsmethoden geübt. Margaret Mead studierte an der Columbia University bei Franz Boas und Ruth Benedict.
1925 reiste sie als junge Anthropologin allein nach Samoa, wo sie junge Mädchen an der Stufe zum Erwachsenwerden studierte. Mit einigem Erstaunen hielt sie fest, dass die bis dahin als starr geltenden sozialen Rollen kulturell vorgegeben waren und nicht – wie bisher allgemein angenommen – für alle Menschen allgemein gültig waren. 1957 reiste Lowell D. Holmes auf den Spuren Meads und korrigierte in seiner Dissertation Fehler von Mead; im Grossen und Ganzen bestätigte er darin aber Meads Ergebnisse. Weltberühmt wurde Mead durch ihre Forschungsreisen 1931 nach Neuguinea, wo sie die Gesellschaftsstrukturen der Arapesh, Tchambuli und Mundugumor erforschte und aus ihrem Material folgerte, dass die bis dahin bekannten Geschlechterrollen kulturell bedingt seien und nicht genetisch vorgegeben. Sie war die erste Person, die diese (bis heute umstrittene) Ansicht empirisch zu belegen schien und gab damit den gesamten Sozialwissenschaften neue Impulse. Zwischen 1936 und 1939 betrieb sie zusammen mit Gregory Bateson und Jane Belo intensive Studien auf der Insel Bali. Sie war damit eine wichtige Figur des sogenannten Bali-Circle der dreissiger Jahre. Während des Zweiten Weltkrieges musste sie ihre Forschungsreisen in die Südsee unterbrechen, wodurch sie sich jedoch nicht von weiteren Forschungstätigkeiten abhalten liess. Gemeinsam mit Ruth Benedict wandte sie früh anthropologische und ethnologische Methoden zur Erforschung moderner Kulturen an. Um ihre Vergleiche zwischen den Kulturen zu vertiefen und weitere Forscher zu solchen Vergleichen zu animieren, gründeten die beiden Ethnologinnen das Institute for Intercultural Studies. Insgesamt erforschte Mead sieben Kulturen im Südpazifik. Sie war Professorin des American Museum of Natural History in New York, Präsidentin der American Anthropological Association (AAA) und der American Association for the Advancement of Science. Sie erhielt 28 Ehrendoktorate von Universitäten weltweit und schrieb mehr als 40 Bücher sowie über 1000 wissenschaftliche Artikel. Sie war Lehrerin und Förderin von Ray Birdwhistell. Sie war auch eine Galionsfigur der 68er-Bewegung, die sich gerne auf die Pionierin berief. Mead war verheiratet mit Luther Cressman, Reo F. Fortune und Gregory Bateson mit dem sie eine Tochter, Mary Catherine (* 1938) hatte.
Der Anthropologe Derek Freeman widersprach Meads Samoa-Ergebnissen in seinen Studien. Freeman ging dabei ausdrücklich nicht von einer bewusst falschen Darstellung durch Mead aus. Seiner Auffassung nach entsprang ihr Samoa-Bild eigenem Wunschdenken. Mead hatte Anthropologie bei Franz Boas, einem der Gründungsväter der amerikanischen Kulturanthropologie, studiert. Boas wandte sich in seinen Forschungen gegen den von der Eugenetik vertretenen Erbdeterminismus, der den Menschen vor allem durch seine Erbanlagen bestimmt sah. Im Sinne Boas trat die damals 23-jährige Margaret Mead ihre Forschungen ausdrücklich mit dem Ziel der Widerlegung des Erbdeterminismus an: „Wir hatten zu zeigen, dass die Menschennatur ausserordentlich anpassungsfähig ist, dass die Rhythmen der Kultur zwingender sind als die physiologischen Rhythmen … Wir hatten den Beweis zu erbringen, dass die biologische Grundlage des menschlichen Charakters sich unter verschiedenen gesellschaftlichen Bedingungen verändern kann.“
Meads Fahrt nach Samoa im August 1925 war ihre erste Auslandsreise. Fundierte Kenntnisse der samoanischen Geschichte und Kultur hatte sie nicht. Erst vor Ort nahm sie Anfangsunterricht in der samoanischen Sprache (1 Stunde pro Tag). Da sie die Vorstellung, in der primitiven Umgebung einer samoanischen Familie zu leben, abschreckte, zog sie in das Haus einer dort ansässigen nordamerikanischen Familie. Im nächsten halben Jahr befragte sie samoanische Mädchen, 25 davon näher. Diese Befragungen bildeten die Quelle ihres Buches. Zugang zum politischen Leben der Einheimischen, den Männerversammlungen, bekam sie als Frau nicht.
Anders als Mead war Derek Freeman der samoanischen Sprache kundig. Er kam erstmalig 1940 nach Samoa und verbrachte dort in den folgenden vier Jahrzehnten über sechs Jahre. Er schrieb seine Doktorarbeit über die Gesellschaftsstruktur Samoas, wurde von einer einheimischen Familie adoptiert und in seinem Dorf zum Häuptling ernannt. Anfangs wie Mead ein überzeugter Kulturdeterminist, veröffentlichte er sein mead-kritisches Buch erst als emeritierter Professor. Freemans Beschreibung von Samoa, das er aufgrund seiner eigenen jahrzehntelangen Erfahrungen und Befragungen sowie intensiven Quellenstudien beschreibt, steht im ausdrücklichen Widerspruch zu Meads Ergebnissen. Es ist eine genauso komplexe Kultur wie die uns bekannte, mit vergleichbaren emotionalen Höhen und Tiefen für jeden ihrer Bewohner. Massiv kritisiert wurde, dass er sein Werk erst nach dem Tod Meads publizierte, die sich so den Vorwürfen nicht mehr stellen konnte.
Die Beschreibung Arapesh auf Neuguinea in den 1930er Jahren als äusserst friedliches Volk hat Mead Kritik von einem ihrer Ex-Männer eingetragen. Der Anthropologe Reo F. Fortune wies 1939 Forschungsergebnisse der inzwischen mit dem Kollegen Gregory Bateson liierten Mead energisch zurück und beschrieb detailliert die Frauenraubkriege der Arapesh. Der Anthropologe Paul Shankman zeichnet inzwischen ein eher vermittelndes Bild von der Kontroverse zwischen Mead und Freeman und ist der Auffassung, dass auch Freemans Untersuchung nur unzureichend von der Beweislage gedeckt sei; beide Seiten der Kontroverse seien unter Ideologieverdacht.
