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Evolutionismus

Geschichte und Politk

In der Sozialanthropologie beginnt die Geschichte des Evolutionismus im 19. Jahrhundert (1860 – 1890). Also kurz nach dem 1859 von Darwin sein berühmtes Werk “Origin of the Species” veröffentlicht wurde. Entscheidend war die damalige Interpretation der Anthropologen, dass Kulturen und Gesellschaften sich auch in einer unilinearen Evolution entwickeln würden. Die Vertreter der klassischen Evolutionisten wie Morgan, Tylor, Frazor waren überzeugt, man könne ohne Weiteres davon ausgehen. Morgan stellte sogar sein stufenbasiertes Modell vor, nachdem drei verschiedene Phasen existierten in der kulturellen Entwicklung von Gesellschaften: Wildheit, Barbarei und Zivilisation. Natürlich befand sich Europa seiner Meinung nach längst auf der letzten höchsten Stufe, der Zivilisation. Solche eurozentristischen Sichtweisen sind denn auch typisch und prägend für den Evolutionismus im 19. und 20. Jahrhundert. Die “Wilden” wurden erforscht, immer aber mit der Idee im Hinterkopf, dass diese ja minderwertig seien. Man war sogar bald überzeugt, dass man Darwins Konzept auch als Beweis aufführen könnte – und so legte man bereits auch die Basis für den Sozialdarwinismus. Dabei wurde Darwin meist missinterpretiert: Es ging bei “survival of the fittest” nicht um das Überleben des Stärkeren, sondern um das Überleben des besser Angepassten, was ein enorm wichtiger und grosser Unterschied darstellt. Somit ist Stärke, Aggressivität und die Behauptung durch Kampf eher nebensächlich für die biologische Entwicklung. Doch viele, unter anderem später auch Adolf Hitler mit seinem Werk “Mein Kampf”, wussten die darwinsche Theorien geschickt für die eigenen Zwecke zu verbiegen. Natürlich muss man auch Darwin selbst kritisch unter die Lupe nehmen. Als ein Mensch im 19. Jahrhundert war auch Darwin nicht frei von einer starken rassistischen Sichtweise der Welt. Auch er veröffentlichte später Bücher, in denen klar von “Rassen” und damit verbunden von “Rassenentwicklungen” gesprochen wird. Die “weisse Rasse” kommt dort schliesslich auch nicht unbedingt schlecht weg, was Darwin somit eigentlich auch zu einem Kollaborateur des Kolonialmismus des späten 19. und des 20. Jahrhunderts machte. Die darwinschen Theorien kamen vielen Kolonialisten gerade recht: Durch minimale Manipulation konnte man sagen, dass die “Wilden” noch auf einer ganz anderen Ebene in der Entwicklung seien. Dies mache sie auch automatisch minderwertig – wenn man in Evolutionsstufen bzw. einer Wertungsweise denkt. Die Folgen kennen wir: Kolonialmächte kontrollieren die halbe Welt. Dies hielt noch eine lange Zeit an, bis zum zweiten Weltkrieg. Danach verfolgte man eine eher Antikoloniale Politik oder sagen wir eine “verdeckte Kolonialpolitik”. Denn bis heute ist der Einfluss der europäsichen Industrienationen auf viele “Entwicklungsländer” und “Schwellenländer” nicht weniger geworden – im Gegenteil. Zwar wird nicht mehr offensiv Territorium besetzt, jedoch beweisen unter anderem die Modernisierungstheorien und Dependenztheorien recht gut, die gezielte und gewollte Verflechtung der Industrieländer mit den unterentwickelten Länder.

Der Neo-Evolutionismus

Eine neue Strömung, die den Ursprung in den 1930er Jahre hatte, war der Neo-Evolutionismus. Dieser versuchte sich vom sozialwissenschaftlichen Evolutionismus zu lösen und stärker anhand der Naturwissenschaft die Entwicklungen zu erklären. Der Neoevolutionismus unterscheidet sich vom klassischen Evolutionismus durch einige Punkte: Er will keine unhinterfragte Vorstellung einer “kulturellen Entwicklung” und des sozialen Fortschritts. Man spricht bei plötzlichen Veränderungen in der Evolition nicht mehr von “Zufall” oder “freien Willen” sondern eher von “Wahrscheinlichkeiten”. Neoevolutionisten versuchen auch, Wertungen und Bewertungen nicht als wichtig anzusehen, sondern viel eher auf empirische Belegbarkeit zu setzen. Die klassischen Evolutionisten bauten hingegen davor fast nur auf Vermutungen, Wertungen und unbelegbaren Theorien auf. Die mess- und prüfbaren Daten und Informationen (aus Disziplinen wie der Sozialanthropologie, der Paläontologie, der Archäologie und der Geschichtswissenschaft), die angestrebt werden, um die kulturelle Evolution zu analysieren und erklären, sind denn auch ein typisches Merkmal des Neoevolutionismus.

Einer der berühmtesten neoevolutionistischen Vertreter war Leslie White, der die Behauptungen vertrag, dass der Fortschritt einer Gesellschaft vom Energieverbrauch pro Kopf abhängig sei. Energie sei der Schlüssel für die Entwicklung. Am Anfang sei die Energie nur in Form des menschlichen Körpers vorhanden gewesen, erst danach erkannte man den Nutzen der Energie der Elemente wie Wind, Wasser, Feuer und später auch der Tiere (Pferd als Energiequelle z.B. für Arbeit auf Feld).

Evolutionismus und Religion

Sobald das erste Buch Darwins veröffentlicht war, ging der religiöse Streit los: Die Bibel erzählt nämlich eine ganz andere Schöpfungsgeschichte als dies von Darwins Theorie postuliert wird. In der Bibel schuf Gott Adam und Eva, das Paradies. Zwar ist somit auch eine Art von einziger Ursprung (Monogenismus) abgezeichnet, jedoch ist in der biologischen Sichtweise damit eher die Entwicklung aus einfachen Lebewesen zu komplexen gemeint, mit einem Ursprung, nämlich in Form von Bakterien, die sich im Meer entwickelten. Doch eigentlich wäre diese Sicht, auch wenn eine Abstammung von Tieren als Hintergrund hätte akzeptiert werden müssen, für die Religionen ein vertretbares Konzept. Gemäss der Bibel oder auch der jüdischen oder islamischen Religion ist die Idee der Entwicklung aus einem einzigen Ursprung her nicht unbedingt abwegig. Die Existen der ersten Bakterien könnte man ganz simpel durch ein göttliches Zutun begründen. Wieso auch nicht, denn der Beginn des Lebens auf der Erde ist schliesslich noch immer ein Rätsel, das nicht gelöst ist und wohl nie sein wird. Inzwischen hat nun auch die Kirche erkannt, dass sie die Ideen und Theorien des Evolutionismus nicht mehr bestreiten kann. Die Bibel wird daher heute nicht mehr als naturwissenschaftliches Buch betrachtet, sondern als religiöses Werk. Dennoch wollen immer noch viele Kreationisten mit fundamentalen Einstellungen, besonders in den USA oder im Nahen Osten, nichts von dieser biologischen Evolution wissen. Sie setzen vollständig auf die heiligen Texte und Bücher. Heute gibt es auch einen zunehmenden Trend die Evolutionslehre und den Islam miteinander zu vergleichen. Harun Yahya als neuer “Sektenguru” versucht die Evolutionstheorie als Lüge zu entlarven und setzt auf den Islam als Wahrheit. Er geht dabei auch sehr kreationistisch vor und verwendet Wort für Wort Zitate aus dem Koran, der islamischen heiligen Schrift. Zudem hat er ein merkwürdigen Konzept: Er versucht das Scheitern der christlichen Welt zu zeigen, in dem er die westliche Gewaltätigkeit und Übermacht aufzeigt, was sicherlich irgendwo auch begründbar ist, lässt jedoch jegliche östlichen Elemente komplett weg. Es geht also dort weniger um das Widerlegen der Evolutionslehre, sondern viel eher um die Stärkung des Islam, eigentlich um Macht und auch Politik. Harun Yahya ist vermögend und veröffentlichte seine Werke in unzählige Sprachen. Dies zeigt auch, dass er eine breite auch finanzielle Unterstützung vom muslimischen Lager geniesst.

Als George Bush Junior an die Macht gelangte, kam es nicht überraschend, dass er sich immer mehr als sehr gläubiger Christ outete. Er begann die Anti-Evolutionisten in den USA im Bildungsbereich zu unterstützen und setzte sich dafür ein, dass die Schöpfungslehre der Bibel gelehrt wird. Er gab dem Lager der US-Kreationisten also volle Unterstützung vom Präsidentensessel aus. Hier sieht man deutlich einen Zusammenhang zwischen Politik, Religion und schliesslich auch der Macht.