Die Produktion prähistorischer Keramik in der Schweiz wurde unter anderem von Johannes Weiss mit experimental archäologischen Untersuchungen gründlich erforscht. Dabei gelang es ihm verschiedenste Herstellungstechniken wie die prähistorischen, sowie auch römische insbesondere die Terra Sigillata Herstellung beinahe bis ins Detail nach zu vollziehen.
Prähistorische Techniken
Welche Bestandteile enthält die prähistorische Keramik? Es wurden jeweils zwei Hauptbestandteile verwendet. Dies ist das plastische Ton und die Magerung. Die Magerung hat dabei die Aufgabe Spannungen und Risse zu vermeiden. Diese unerwünschten Effekte treten gerne bei nicht konstanter Hitze im Feuer auf. Indem man dem plastischen Ton die Magerung hinzufügt, vermindert man die Rissbildung. Grobe Magerung aus Gneis und Granit verbessert zusätzlich auch die Wärmeleitfähigkeit von Gefässen. Feinere Gefässe müssen ebenfalls über eine feinere Magerung verfügen, da dort grobe Körner sonst störend sind. Eine ebenfalls sehr wichtige Zugabe ist die Schamotte (zerkleinerter, bereits gebrannter Ton), welche dem Tongemisch hinzugefügt wird. Die Schamotte sollte etwa um 500 bis maximal 800 °C gebrannt worden sein (also in einer prähistorischen Art und Weise). Die hinzugefügte Schamotte ist nach dem Brennen kaum mehr erkennbar. Desweiteren wird häufig organisches Material hinzugefügt wie Holz, Mist und anderes. Die entstehenden kleinen Hohlräume während dem Brand sind bei den prähistorischen Gefässen wohl meist gewollt. Dies macht Gefässe wie beispielsweise Vorratstöpfe luftdurchlässiger, was den Schimmel verhindern kann. Andererseits können solche Gefässe mit dichter organischer Magerung schliesslich nicht für die Aufbewahrung von Flüssigkeiten eingesetzt werden, da diese auslaufen würde. Die Poren können jedoch sehr einfach verschlossen werden, in dem man das Gefäss mit Milch auskocht oder Wachs zum verschliessen verwendet.
Die Zeit vor der Drehscheibe
Die Drehscheibe ist in Mitteleuropa erst im 6. Jahrhundert v. Chr. aufgetaucht. Dies bedeutet, dass vor der Eisenzeit die Keramik von Hand, ohne drehende Scheibe hergestellt werden musste. Keramik wurde wahrscheinlich jedoch auf einer bereits beweglichen, drehbaren Unterlage wie einem Holzbrett, einem Stück Rinde oder einer Bastmatte produziert. Der Aufbau des Gefässes geschah wahrscheinlich mit der Wulsttechnik. Dabei werden Tonwülste in länglichen Formen ringförmig oder spiralförmig aufeinander aufeinander gesetzt und schliesslich in einander verstrichen. Man kann dies sehr einfach nachweisen, da man bei vielen Keramikgefässen Risse von Bruchstellen gefunden hat. An diesen Stellen wurden die einzelnen Wülste zusammengeklebt oder auch ganze Gefässteile auf- bzw. aneinander gesetzt. Die Wulsttechnik kann so effektiv sein, dass man sie gar nicht mehr erkennen kann, wenn das Gefäss vollendet ist. Durch geschicktes Verstreichen und Glätten, sowie Polieren mit einem weicheren Knochen- oder Holzwerkzeug können Gefässe schliesslich sehr fein und überhaupt nicht zwingend nur plumb und grob wirken. Die prähistorischen Gefässe der Pfyner und Horgener Zeit sind jedoch eher dickwandig, wirken grob und sind in der Tat mit der Aufbautechnik hergestellt worden. Man vermutet, dass sie jedoch sehr schnell aufgebaut worden sind, um ein Zusammenfallen zu vermeiden. Womöglich sind sie deshalb nicht besonders ästhetisch gestaltet worden? Andererseits lag der Fokus bei der Herstellung dieser Töpfe wohl eher auf der funktionellen Endnutzung. Kleine Halteaufsätze wie Knubben oder Lappen wurden separat aufgeklebt oder direkt aus der Wand herausgeformt. Damit die Halterungen sich nicht lösten, wurden Henkel, Ösen oder auch Knubben, Lappen häufig in ein Loch verzapft.
Mehr Zeitaufwand für die Polierung und Verzierung
Die Aufträge von Schlick auf Töpfen, welche besonders in der Pfyner Kultur zum Einsatz kamen, bestehen aus einer Mischung aus Arbeitston und Wasser, welche von Hand auf das Gefäss aufgetupft wurden. Durch diese Technik des Auftupfens ergibt sich eine krümelige Oberflächenstruktur. Dabei kann die Fingerführung häufig auf den prähistorischen Gefässen mit Schlicküberzug noch gut beobachtet werden. Das Polieren des Gefässes ist ebenfalls ein wichtiger Arbeitsprozess, wenn ein Gefäss eine glatte Oberfläche haben soll. Es ist dabei wichtig, dass das Polieren noch im weichen Zustand geschieht, wenn das Gefäss lederhart ist, also ungefähr nach dem Austrocknen nach einem halben Tag – je nach aktuellem Wetter und Wärme kürzer oder länger. Eine qualitativ guter Poliervorgang muss wiederholt stattfinden, bis das Gefäss fast Trocken ist. Zum Polieren verwendet man in prähistorischer Zeit meist Poliersteine oder auch ausgediente Steinbeilklingen, glatte Knochenstücke und weiteres. Am Häufigsten wurden Poliersteine aus Hämathit verwendet, die einen charakteristischen roten Strich auf der geglätteten Oberfläche hinterlässt. Das Wiederholen des Poliervorgangs ist recht zeitintensiv. Die prähistorischen Verzierungen umfassen Rillen, Kanellüren, Ritzungen, Einschnitte, Stempeleindrücke, Einpolierungen und auch Aufträge wie beispielsweise eine Schlickverzierung. Als Werkzeuge wurden die Finger, die Fingernägel, Holzteile, Knochenteile, Steine, Schnüre, Kämmen und viels mehr verwendet. Gleichmässige Verzierungen wie Rillen gelingen am besten auf einer drehbaren Unterage. Die meisten Verzierungen werden vor dem Brand angebracht. Es gibt jedoch auch Verzierungen wie das Ankleben von Birkenrinde mit Teer (Birkenteer) oder farbigen Fäden oder z.B. Zinnauflagen, welche erst nach dem Brennen angebracht werden können, da diese sonst durch das Feuer zerstört bzw. eingeschmolzen würden. Der Gesamtaufwand für die Herstellung eines Gefässes lässt sich nicht so einfach definieren. Die entsprechende Verzierung, sowie das Polieren nehmen jedoch meist mehr Zeit in Anspruch als der Aufbau des Gefässes. Flache Gefässe wie Schalen oder Tellerformen nehmen jedoch viel mehr Zeit in Anspruch als beispielsweise Topfformen.
Brennen – aber richtig
Selbst wenn die Herstellung eines Gefässes nach dem Polieren zu einem hervorragenden Ergebnis geführt hat, steht das wichtigste erst noch an: Der Brand. Durch das Brennen des Tongefässes erhält es erst die notwendige Stabilität und Wetterfestigkeit. In der Sonne getrocknete Keramikgefässe sind zwar auch einsetzbar, jedoch verfallen diese wieder in ihre Einzelmaterialien, sobald sie mit genügend Wasser in Kontakt kommen. In prähistorische Zeit nutzte man wohl vor allem den Grubenbrand als Brandtechnik. Das offene Feuer war sicherlich eines der ersten Brandmöglichkeiten. Jedoch hat der Grubenbrand den Vorteil, dass eine eher gleichmässige Hitze und Wärmeverteilung entstehen kann und diese eher kontrollierbar ist. Der Vorteil ist ebenfalls, dass hohe Gefässe vom Boden bis zum Rand gleichmässig erhitzt werden können.
