Monthly Archives: May 2010

Herstellung prähistorischer Keramik in der Schweiz

Die Produktion prähistorischer Keramik in der Schweiz wurde unter anderem von Johannes Weiss mit experimental archäologischen Untersuchungen gründlich erforscht. Dabei gelang es ihm verschiedenste Herstellungstechniken wie die prähistorischen, sowie auch römische insbesondere die Terra Sigillata Herstellung beinahe bis ins Detail nach zu vollziehen.

Prähistorische Techniken

Welche Bestandteile enthält die prähistorische Keramik? Es wurden jeweils zwei Hauptbestandteile verwendet. Dies ist das plastische Ton und die Magerung. Die Magerung hat dabei die Aufgabe Spannungen und Risse zu vermeiden. Diese unerwünschten Effekte treten gerne bei nicht konstanter Hitze im Feuer auf. Indem man dem plastischen Ton die Magerung hinzufügt, vermindert man die Rissbildung. Grobe Magerung aus Gneis und Granit verbessert zusätzlich auch die Wärmeleitfähigkeit von Gefässen. Feinere Gefässe müssen ebenfalls über eine feinere Magerung verfügen, da dort grobe Körner sonst störend sind. Eine ebenfalls sehr wichtige Zugabe ist die Schamotte (zerkleinerter, bereits gebrannter Ton), welche dem Tongemisch hinzugefügt wird. Die Schamotte sollte etwa um 500 bis maximal 800 °C gebrannt worden sein (also in einer prähistorischen Art und Weise). Die hinzugefügte Schamotte ist nach dem Brennen kaum mehr erkennbar. Desweiteren wird häufig organisches Material hinzugefügt wie Holz, Mist und anderes. Die entstehenden kleinen Hohlräume während dem Brand sind bei den prähistorischen Gefässen wohl meist gewollt. Dies macht Gefässe wie beispielsweise Vorratstöpfe luftdurchlässiger, was den Schimmel verhindern kann. Andererseits können solche Gefässe mit dichter organischer Magerung schliesslich nicht für die Aufbewahrung von Flüssigkeiten eingesetzt werden, da diese auslaufen würde. Die Poren können jedoch sehr einfach verschlossen werden, in dem man das Gefäss mit Milch auskocht oder Wachs zum verschliessen verwendet.

Die Zeit vor der Drehscheibe

Die Drehscheibe ist in Mitteleuropa erst im 6. Jahrhundert v. Chr. aufgetaucht. Dies bedeutet, dass vor der Eisenzeit die Keramik von Hand, ohne drehende Scheibe hergestellt werden musste. Keramik wurde wahrscheinlich jedoch auf einer bereits beweglichen, drehbaren Unterlage wie einem Holzbrett, einem Stück Rinde oder einer Bastmatte produziert. Der Aufbau des Gefässes geschah wahrscheinlich mit der Wulsttechnik. Dabei werden Tonwülste in länglichen Formen ringförmig oder spiralförmig aufeinander aufeinander gesetzt und schliesslich in einander verstrichen. Man kann dies sehr einfach nachweisen, da man bei vielen Keramikgefässen Risse von Bruchstellen gefunden hat. An diesen Stellen wurden die einzelnen Wülste zusammengeklebt oder auch ganze Gefässteile auf- bzw. aneinander gesetzt. Die Wulsttechnik kann so effektiv sein, dass man sie gar nicht mehr erkennen kann, wenn das Gefäss vollendet ist. Durch geschicktes Verstreichen und Glätten, sowie Polieren mit einem weicheren Knochen- oder Holzwerkzeug können Gefässe schliesslich sehr fein und überhaupt nicht zwingend nur plumb und grob wirken. Die prähistorischen Gefässe der Pfyner und Horgener Zeit sind jedoch eher dickwandig, wirken grob und sind in der Tat mit der Aufbautechnik hergestellt worden. Man vermutet, dass sie jedoch sehr schnell aufgebaut worden sind, um ein Zusammenfallen zu vermeiden. Womöglich sind sie deshalb nicht besonders ästhetisch gestaltet worden? Andererseits lag der Fokus bei der Herstellung dieser Töpfe wohl eher auf der funktionellen Endnutzung. Kleine Halteaufsätze wie Knubben oder Lappen wurden separat aufgeklebt oder direkt aus der Wand herausgeformt. Damit die Halterungen sich nicht lösten, wurden Henkel, Ösen oder auch Knubben, Lappen häufig in ein Loch verzapft.

Mehr Zeitaufwand für die Polierung und Verzierung

Die Aufträge von Schlick auf Töpfen, welche besonders in der Pfyner Kultur zum Einsatz kamen, bestehen aus einer Mischung aus Arbeitston und Wasser, welche von Hand auf das Gefäss aufgetupft wurden. Durch diese Technik des Auftupfens ergibt sich eine krümelige Oberflächenstruktur. Dabei kann die Fingerführung häufig auf den prähistorischen Gefässen mit Schlicküberzug noch gut beobachtet werden. Das Polieren des Gefässes ist ebenfalls ein wichtiger Arbeitsprozess, wenn ein Gefäss eine glatte Oberfläche haben soll. Es ist dabei wichtig, dass das Polieren noch im weichen Zustand geschieht, wenn das Gefäss lederhart ist, also ungefähr nach dem Austrocknen nach einem halben Tag – je nach aktuellem Wetter und Wärme kürzer oder länger. Eine qualitativ guter Poliervorgang muss wiederholt stattfinden, bis das Gefäss fast Trocken ist. Zum Polieren verwendet man in prähistorischer Zeit meist Poliersteine oder auch ausgediente Steinbeilklingen, glatte Knochenstücke und weiteres. Am Häufigsten wurden Poliersteine aus Hämathit verwendet, die einen charakteristischen roten Strich auf der geglätteten Oberfläche hinterlässt. Das Wiederholen des Poliervorgangs ist recht zeitintensiv. Die prähistorischen Verzierungen umfassen Rillen, Kanellüren, Ritzungen, Einschnitte, Stempeleindrücke, Einpolierungen und auch Aufträge wie beispielsweise eine Schlickverzierung. Als Werkzeuge wurden die Finger, die Fingernägel, Holzteile, Knochenteile, Steine, Schnüre, Kämmen und viels mehr verwendet. Gleichmässige Verzierungen wie Rillen gelingen am besten auf einer drehbaren Unterage. Die meisten Verzierungen werden vor dem Brand angebracht. Es gibt jedoch auch Verzierungen wie das Ankleben von Birkenrinde mit Teer (Birkenteer) oder farbigen Fäden oder z.B. Zinnauflagen, welche erst nach dem Brennen angebracht werden können, da diese sonst durch das Feuer zerstört bzw. eingeschmolzen würden. Der Gesamtaufwand für die Herstellung eines Gefässes lässt sich nicht so einfach definieren. Die entsprechende Verzierung, sowie das Polieren nehmen jedoch meist mehr Zeit in Anspruch als der Aufbau des Gefässes. Flache Gefässe wie Schalen oder Tellerformen nehmen jedoch viel mehr Zeit in Anspruch als beispielsweise Topfformen.

Brennen – aber richtig

Selbst wenn die Herstellung eines Gefässes nach dem Polieren zu einem hervorragenden Ergebnis geführt hat, steht das wichtigste erst noch an: Der Brand. Durch das Brennen des Tongefässes erhält es erst die notwendige Stabilität und Wetterfestigkeit. In der Sonne getrocknete Keramikgefässe sind zwar auch einsetzbar, jedoch verfallen diese wieder in ihre Einzelmaterialien, sobald sie mit genügend Wasser in Kontakt kommen. In prähistorische Zeit nutzte man wohl vor allem den Grubenbrand als Brandtechnik. Das offene Feuer war sicherlich eines der ersten Brandmöglichkeiten. Jedoch hat der Grubenbrand den Vorteil, dass eine eher gleichmässige Hitze und Wärmeverteilung entstehen kann und diese eher kontrollierbar ist. Der Vorteil ist ebenfalls, dass hohe Gefässe vom Boden bis zum Rand gleichmässig erhitzt werden können.

Politische Anthropologie – Macht und Herrschaft

Die Definition von Typologien gestaltet sich schwierig, da man sie nicht auf alle Gesellschaften einfach so anwenden kann. Von 1940 – 1980 hat sich eine brauchbare Typologie gefestigt. Sie beinhaltet die Betrachtung der Faktoren wie Umwelt und Technologie. Durch diese kommt es zu einer Anhäufung von Individuen in einer Gruppe. So ist es möglich einen Zusammenhang zwischen Gruppen zu erstellen, die in ähnlich klimatischen Verhältnissen leben. Man nimmt an, dass die ökologischen und technologischen Faktoren schliesslich ähnliche politische Strukturen hervorbringen. Beispiele sind die Kung San (Kalahari Wüste), Shoshonen in Utah (in wüstenähnlichen Gebieten). Diese Gruppen organisieren sich in „Bands“. Bands zeichnen sich aus durch: egalitäre Struktur (ohne Führerschaft), ein Nahrungsaustauschsystem, flexible kleine Gruppen. Es gibt jedoch eine grosse Zahl von verschiedenen Bands und Chiefdoms. Man muss sich die Frage stellen, inwiefern man diese einfach so typologisieren kann.

Gesellschaften ohne Staat werden von Pritchard und Fortes als egalitär beschrieben und haben somit keine Führerschaft, keine Regierung. Es gibt auch keine Klassenunterschiede, sowie keine Steuern zu zahlen. Ein segmentäres Lineagesystem ist die Grundlage für die politische Struktur. Beispiele sind die Gesellschaften der Nuer, der Tallensiv, sowie der Dinka. Voraussetzungen sind jedoch, dass es nur wenige Menschen hat (geringe Bevölkerungsdichte), wenig Besitz und somit keine Basis für Macht gibt. Die Struktur der politischen Gruppen ist immer in ein Segment Territorium, ein Segment einer Gruppe und schliesslich in eine Einheit unterteilt. Wichtig sind Rituale und Symbole, in die einzelnen Segmenten! Oft gibt es demokratische Entscheidungen, die getroffen werden; es gibt keine Zentralmacht, die entscheidet!

Verschiedene poltische Formen sind:

  • Nicht-Zentralisiert (Egalitäre Struktur)
  • Bands (Horden)
    Formen sind (nach Lewellen):
    Composite bands, patrilocal bands, Family bands (anomalous)

    Charakteristik:
    Sind oft Jäger- und Sammlergruppen (25-150 Menschen), es müssen für Heirat andere Bands aufgesucht werden (Band Exogamie), bilaterale Verwandschaftsstruktur; Austausch von Nahrung sehr wichtig! (Reziprozität).

    Beispiele:
    Kung San Gruppen in Kalahari mit einfacher Technologie (Graben mit Stock nach Wasser oder Wurzeln), Giftpfeile für Jagd nach Grosswild, Frauen beschaffen ca. 80% der Nahrung (durch Sammeln oder Kleinwild), Männer beschaffen 20% durch Grosswildjagd (Antilopenjagd usw.). Wenig Besitz und oftmaliges Umherwandern in einem Territorium. Bewachen von Gebieten, Konflikte und Streit, jedoch keine Kriege. Heiratsallianzen zwischen den einzelnen Gruppen.

    Inuit in einer schwierigen Umwelt (wenig Vegetation, kalt); Fische, Karibu und Robben nur saisonal, weit verbreitet. Dadurch ergibt sich ein starkes Nomadenverhalten > Gruppen von 12 bis zu 300 Menschen. Es existiert keine eigentliche Führerschaft. Bei den Inlandgruppen gibt es Schamanen mit etwas Macht, bei Küstenbewohnern haben Bootsbesitzer minim etwas mehr Macht. Später dann Kontakt mit dem Westen (Pelz- und Walfleisch Handel).

  • Tribes (Stämme)
    Formen sind (nach Lewellen):
    Big Man Systeme, Village Councils, Ritually Stratified, Associational, Segmentäre Lineages

    Charakteristik:
    Unklarer Begriff von «Tribes», bildet Brücke zwischen Bands und Häuptlingstum (Chiefdom); Stämme sind nicht zentralisierte, egalitäre soziale Systeme, in denen um Autorität gestritten wird; Der Zusammenhalt wird durch die Beziehungen / Beziehungsnetzwerke gesichert. Keine Spezialisierung in der Produktion, kein festes Priesteramt. Zusammenhalt über entweder über Verwandtschaft, wie Bruderschaft (sodality) durch einen gemeinsamen Ahnen oder nicht über Verwandtschaft auf Interessenbasis: Gemeinschaften, Geheimbünde, Interessengruppen.

Politische Anthropologie – Historische Einführung

Vor dem 19. Jh. hatte man noch keine Spezialisierungen in der Anthropologie. Man hatte auch die Vorstellung, dass bei den „Wilden“ nur eine Anarchie herrsche. Im 19 Jh schliesslich Henry Maine’s neue Vorstellung von politischen Strukturen in primitiven, patriarchal verwandtschaftlichen Gemeinschaftssystemen. Lewis Henry Morgan erkannte bei den Irokesen Verwandtschaftsmuster (die Matrilinerarität), sowie Siedlungsmuster (die Matrilokalität). Er hatte die Vorstellung von Evolutionssequenzen: Wildheit, Barbarei, Zivilisation. Es habe zunächst eine Hortikultur gegeben, danach die Jagd und schliesslich sesshafte Gesellschaften mit Landwirtschaft > Diese Vorstellungen sind typisch für das 19. Jh > man spricht von „Evolutionismus“. Der Evolutionismus mit der Vorstellung von Gesellschaften mit gewissen Vereinbarungen wie „kin units“, also Heiratsabkommen. Durch diese Heiraten entstanden Allianzen. Die Heirat ausserhalb der eigenen Gesellschaft war also von Vorteil für das Kollektiv. Die Gesellschaften schlossen sich in Gruppenbündnissen und Stämmen zusammen. Morgans Überlegungen basierten auf seinen Beobachtungen der Irokesen. Dort gab es auch Landwirtschaft und urbane Gebiete/Zentren. Morgan nimmt die Position ein, dass eine Regierung erst durch den Besitz eines Territoriums entstehen kann. Die Entwicklung des Privatbesitzes und die Sesshaftigkeit (Territorium) ist in diesem Zusammenhang wichtig. Wildbeuter besitzen wenig, damit sie mobiler sind. Sesshaftigkeit führt fast automatisch zu mehr Besitz. Klanstrukturen, sogenannte „Lineage“ Systeme, aber auch egalitäre Strukturen, sowie das Fehlen von Privatbesitz sind typisch für „primitive Gesellschaften“ aus seiner Sicht.

Im 20. Jh. veränderte sich die Vorstellung in England/Frankreich durch den Strukturalismus von der Evolution. Radcliff Brown sah die Gesellschaft als ein sich ausgleichendes System (wie ein biologisches System) > jedes Element trägt zur Erhaltung des Gesamten bei. Er setzte einen Fokus auf die Untersuchung von politischen Werten, Normen und Strukturen, die einen Rahmen für die Gesellschaft bilden > Britischer Strukturfunktionalismus. England mit grossem Interesse an ethnologischen Forschungen. Ergebnisse der Erforschungen von politischen Strukturen der „Natives“ sollen helfen die Kolonien besser zu regieren. Beispiel sind die Nuer > Evans Pritchards Feldforschungen. Fortes und Pritchard analysieren 2 afrikanische Systeme. Pritchards Nuer > ohne Zentralmacht. System funktioniert durch segmentäre Lineages und Verwandtschaft; Fortes > System mit König und Administration. Gleichgewichtsidee ist wichtig.

In Frankreich: Es gab unter anderem durch Durkheim eine Abkehr vom Evolutionismus. In den USA war Franz Boas grundsteinlegend, der auf detaillierte Studien setzt. Sein Kulturrelativismus in den USA war sehr prägend („cultural anthropology“).

Das Werk von Robert Lowie „Origin oft the State“ untersucht die Entwicklung von politischen Strukturen zum Staat. Er sieht eine Notwendigkeit für eine höhere Instanz > Der Staat soll die einzelnen Bestandteile zusammenhalten.

Nach dem Funktionalismus gibt es eine selbstausgleichende Balance in Gesellschaften. Symbole, Religion und Rituale sind dabei wichtig, sowie rechtliche Institutionen. Solchen Strukturen sind eher statisch und verändern sich nur sehr träge.

Edmund Leach mit 3 politischen Systemen in Burma, die anarchisch organisiert sind. Das heisst, sie sind traditionell, eher instabil, hierarchisch. Es soll kein Gleichgewicht geben, sondern häufige Konflikte; die Gruppen sind durch Symbole verbunden > es gibt aber eine Differenz zwischen den politischen Idealen und der sich verändernden Realität in Gruppen und zwischen ihnen.

Gluckmann erkennt, dass das Gleichgewicht nicht statisch ist, sondern vielmals konfliktbehaftet und sich dadurch auch verändert. Institutionen erschaffen oftmals auch Konflikte, um von Spannungen abzugleichen > Rituale, Beschuldigungen und Allianzen.

Der Neo-Evolutionismus ist geprägt von Leslie White und Julian Steward. Es gibt hier die Idee, dass es einen Trend von der einfachen Landwirtschaft zu einer intensiven Form gibt. Es bildet sich schliesslich der Privatbesitz heraus. Damit verbunden entstehen Klassen und eine politische Zentralisierung. White und Steward verfolgen eine ökologische, materielle Sichtweise. Es wurde versucht verschiedene Stadien für die politischen Entwicklung / Evolution zu definieren: Die egalitären Wildbeuter Gesellschaften entwickeln sich weiter und werden sesshaft > Sesshaftigkeit > basierend darauf entwickelt sich später der Staat (Staatsbildung).

Victor Turner setzt einen Fokus auf das Individuum. Dieses muss sich durch verschiedene soziale Dramen kämpfen aufgrund der spezifischen Normen und Werte. Er ist der Meinung, dass die Struktur nicht ausreicht und Prozesse, Konflikte und die individuelle Ebene der Akteure betrachtet werden müssen. Er hat die Idee, dass Konflikte und Spannungen eine Art Norm / Standard sind (Prozesstheorie).

Die neue politische Anthropologie wird durch Swartz, Turner, Tuden und Belandier begründet. Sie stellen fest, dass Individuen sich in dynamischen, politischen Arenen agieren, um die Macht und Führerschaft zu erlangen oder zu erhalten. Wer hat welches Amt, wer hat welche Zugänge zu Ressourcen? Die europäischen und amerikanischen Anthropologen lassen nun ab von den Evolutions- und Funktionalismus Ideen.

Die neuen Trends sind feministische politische Anthropologie und Fragen um Gender & Unterdrückung. Weiter wichtig ist Europa und ehemalige Kolonien, die zunehmende Durchdringung von politischen Prozessen in der Welt.

Auch wichtig ist James Scott mit „Weapons of the Weak“ (Diebstahl, Klatsch, kleiner alltägliche Widerstand als Waffe der Armen und Machtlosen > symbolische Widerstandsformen). Es gibt also im Hintergrund viel Widerstand gegen kapitalistische Wirtschaftsstrukturen.

Weiter sind die Postmoderne und die Globalisierung für die politische Anthropologie von Wichtigkeit. Die Postmoderne löste ein allgemeines Hinterfragen der bisherigen Ideen und Konzepte aus. Malinowski, Boas, Turner, Pritchard werden kritisiert und nicht mehr als Anthropologiehelden betrachtet).

Die ethnographische Autorität wird hinterfragt, die Konstruktion von Situationen und Erkenntnissen. Es ist auch wichtig, dass eine Auseinandersetzung mit der Macht stattfindet > Foucault. Er setzt den Fokus auf die Verinnerlichung von Macht. Ebenfalls wichtig ist Bourdieu mit seinem Habitus, der in Fields stattfindet. Er erklärt die Gesellschaft mit Mach aufgrund von Verhaltensweisen. Geld ist nicht alleine Machtbestimmend, sondern das Feld in dem sich die Person bewegen kann.

Die Globalisierung ist wichtig im Zusammenhang mit neuen Formen der Kommunikation, mit vereinfachter Mobilität (Flugzeuge, viele Flugstrecken weltweit), zunehmende globale Handelsflüsse (z.B. Produktion in China), der Einfluss der Medien (Internet), Technologische weiterentwicklungen.

Die Frage nach der Identität in einer geldorientierten Weltordnung mit einer diffusen, unklaren Machtsituation ist sehr wichtig.

Beispiel von Lewellen anhand von Sambia: Es gibt Konflikte um Weidegebiete. Der Staat versucht es mit Weideschutz und stellt Regeln für die Fischerei auf. Die Verwandtschaft und die Religion sind aber für die Macht massgebend. Rituale sind Formen der Sozialversicherung, Prestige ist entscheidend. Der Chief möchte ein Bewässerungssystem und dadurch eine Modernisierung einbringen. Doch die Opposition wehrt sich und will Vieh für die Ila sichern. Das Bewässerungssystem würde viel Viehland unbrauchbar machen. Das Fehlen von Vieh wäre ein Identitätsverlust. Die Opposition setzt also auf eine konservative Haltung, die das alte, traditionelle bewahren will.