Die Ansicht, dass durch teilnehmende Beobachtung und Interpretation dessen, eine reale Abbildung der Gegebenheiten einer Kultur gemacht würde. Der „ethnographische Realismus“ war jedoch häufig eine Doppelstrategie: einerseits wollte man sich als Autor kompetent ausgeben und beweisen, dass man über eine fremde Kultur berichten konnte und durfte (Selbstautorisierung des Autors) und andererseits wurde die fremde Kultur als Objekt dargestellt, das genau beschrieben werden konnte. Die immer vorhandene Subjektivität beim Verfassen von Ethnographien wurde grundsätzlich nicht erwähnt oder hinterfragt. Wie Clifford Geertz in „Die künstlichen Wilden“ sich passend ausdrückt, gibt es keine objektive Ethnographie. Ethnographen schaffen durch die Abbildung einer fremden Welt zugleich auch immer eine Fiktion. Der Autor nimmt eine Position ein, als ob er alles in seiner Umgebung wahrnehmen könnte, ohne selbst die Ereignisse zu beeinflussen. Er kreiert also immer ein eigenes subjektives Abbild der „Realitäten“. Durch die Beeinflussung des Ethnographen z.B. durch die eigene Anwesenheit oder Interaktion ist kritisch betrachtet eigentlich auch keine Authentizität mehr gegeben!
Autoren wie Malinowski oder Mead haben sich durch die Selbstrepräsentation in ihren Werken sozusagen „mythologisiert“. Beim Lesen eines Buchs von Malinowski kann man annehmen, dass er ein genialer Feldforscher war, der die meisten alle Beobachtungen selbst durchgeführt und sich fehlerfrei merken konnte. Das Autorenselbst (das ein Konstrukt des ethnographischen Realismus ist!) und das Feldforscher selbst wurden als identisch genommen. Die Autoren hätten also im Feld sozusagen in Geistform alles beobachtet, alles gesehen und sogleich auch verstanden. Sie hätten auch durch die eigene Anwesenheit nichts beeinflusst.
