Monthly Archives: November 2009

Marcel Mauss

Marcel MaussMauss stammt aus einer jüdischen Familie, die eine kleine Seidensticker-Manufaktur in den Vogesen betrieb. Als Neffe von Emile Durkheim, der 14 Jahre sein Mentor war, war er aber viel stärker empirisch orientiert als dieser. Er versuchte, soziale Phänomene in ihrer Totalität zu sehen und zu verstehen. Der Austausch in archaischen Gesellschaften, den er in seinem Essai sur le don („Die Gabe“) darstellt, ist nach seiner Auffassung eine umfassende gesellschaftliche Tätigkeit – ein „soziales Totalphänomen“, das gleichzeitig ökonomische, juristische, moralische, ästhetische, religiöse, mythologische und sozio-morphologische Dimensionen umfasst und weit über das Menschenbild des rationalen Homo oeconomicus und seiner Wirtschaft hinaus geht. Im Mittelpunkt seiner Erforschung der Gabe steht die Frage, warum man Gaben erwidern muss. Seine Antwort liegt darin begründet, dass sich in der Gabe Person und Sachen mischen, man beim Geben einen Teil von sich gibt und im Nehmen der Gabe insofern eine Fremderfahrung des Anderen macht. Mauss untersucht diese Vermischung von Person und Sache nicht nur in fremden Kulturen, sondern auch in unterschiedlichen europäischen Rechtssystemen (bei den Römern oder Germanen), um schließlich von den fremden und alten Kulturen auf die gegenwärtigen Gesellschaften überzuleiten und dort die moralischen Folgerungen aus den Praktiken der Gabe auszuloten. Marcel Mauss’ grundlegende vergleichende ethnografische Arbeit über die Gabe stellt das moralische, psycho-ökonomische Prinzip der Gabe in seinem Zwangscharakter und seiner Schuldverursachung heraus und bringt die Gabe mit dem zweideutigen englischen gift zusammen. Damit kann er die Prinzipien von Dienstleistung, Arbeit, Sozialstaat und Wohlfahrt analysieren. Der Essai sur le don war die erste systematische und vergleichende Studie, die das System des Geschenkaustauschs analysierte und die erste Deutung seiner Funktion im Bezugsrahmen der gesellschaftlichen Ordnung.

Marcel Mauss lehrte an der École Pratique des Hautes Études im FB Religionswissenschaften die „Religionen unzivilisierter Völker“ (wobei er die Bezeichnung „unzivilisiert“ ablehnte). Zusammen mit seinem Lehrer Emile Durkheim begründete er die Zeitschrift L’Année Sociologique und 1925, zusammen mit Paul Rivet und Lucien Lévy-Bruhl, das Institut d’Ethnologie in Paris. Kurz darauf erhielt er einen Lehrstuhl für Soziologie am Collège de France; die Bewerbung dafür hatte er, zum Ärger seines Onkels, 1908 noch abgelehnt. Politisch war Mauss eng mit der Arbeiter-Internationale verbunden, gründete die Zeitschriften Mouvement Socialiste und L’Humanité und veröffentlichte entsprechende reformsozialistische Artikel. Sein politisches Vorbild war Jean Jaurès. 1934 heiratete er seine Sekretärin. Während der deutschen Besatzungszeit drängte man ihn aus seiner Position. Er selbst blieb zwar unbehelligt, aber engste Kollegen (wie z. B. Maurice Halbwachs) wurden umgebracht. Nach dem Krieg lebte er sozial isoliert, hinzu traten persönliche Probleme und Demenz.

Einer seiner Schüler war Jean Rouch. Freunde waren Robert Hertz, Henri Hubert, Maurice Leenhardt, Schüler waren u. a. die Gründer des Collège de Sociologie, Michel Leiris und Roger Caillois, aber auch Louis Dumont, André Leroi-Gourhan, Claude Lévi-Strauss und Henri Lévy-Bruhl. Sein Buch Die Gabe übte darüber hinaus Wirkungen auf das Denken von Jacques Derrida, Paul Ricoeur, Marcel Hénaff, Maurice Godelier, Marshall Sahlins, Pierre Bourdieu oder Jean Baudrillard aus und ist ein Standardwerk für Anthropologen, Soziologen, Kulturwissenschaftler und Ethnologen.

Quelle: Wikipedia

Strukturfunktionalismus

Der Strukturfunktionalismus, eine theoretische Richtung der Soziologie, betrachtet soziale Systeme als ihre eigene Existenz erhaltende Gebilde. Es wird untersucht, welche Bestandsvoraussetzungen gegeben sein müssen, um den Bestand strukturell zu sichern und welche Funktion diese Struktur hat. Zum Teil wird der Strukturfunktionalismus zu den Handlungstheorien gezählt. Der englische Sozialanthropologe Alfred Radcliffe-Brown sah Institutionen als Schlüssel zum Erhalt der globalen sozialen Ordnung der Gesellschaft, analog zu den Organen des Körpers, und seine Studien der sozialen Funktion untersuchen, wie Bräuche dazu beitragen, die allgemeine Stabilität der Gesellschaft zu erhalten. Dabei ignorierte er die Effekte historischer Veränderungen völlig. Zusammen mit den Ergebnissen von Bronisław Malinowski nahmen seine Beiträge den stärksten Einfluss auf den Strukturfunktionalismus.

Der einflussreichste US-amerikanische Soziologe Talcott Parsons entwickelte den anfangs von ihm mitbegründeten Strukturfunktionalismus im Laufe seines Lebens weiter zum Systemfunktionalismus. Dies wird insbesondere im von ihm in den 1950er Jahren entwickelten AGIL-Schema deutlich, das bei der Allgemeinen Systemtheorie Anleihen nimmt und den Grundstein für die Soziologische Systemtheorie legt.

Nach dem AGIL-Schema muss ein System vier Funktionen erfüllen: Adaption, Goal-Attainment, Integration und Latency. Hierfür bildet das System Subsysteme aus, die sich wiederum zerlegen lassen.

Quelle: Wikipedia

Pierre Bourdieu

Pierre BourdieuPierre Bourdieu stammte aus einfachen Verhältnissen. Er studierte im Hauptfach Philosophie an der École Normale Supérieure und erreichte 1954 die Agrégation. Führte zunächst Feldforschungen zur Kultur der Berber durch und unterrichtete in der philosophischen Abteilung der Universität Algier.

Gleichzeitig betrieb er Studien der arabischen und berberischen Sprache, die er bereits in Algerien begonnen hatte. Bis 1964 verbrachte Bourdieu seine unterrichtsfreie Zeit jeweils in Algerien, um seine ethnologischen Feldstudien fortzusetzen. In der Zeit zwischen 1958 und 1964 entstanden circa 3000 Fotos über den Krieg und das Alltagsleben in Algerien, insbesondere in Algier, von denen nur noch ein Teil vorhanden ist. Erst kurz vor seinem Tod wurden die Fotodokumente veröffentlicht, einzelne Fotos dienten vorher als Buchtitel. In Hamburg wurde 2006 eine Ausstellung von Fotoarbeiten Bourdieus gezeigt.

1963 publizierte er gemeinsam mit Alain Darbel, Jean-Paul Revet und Claude Seibel Abhandlungen über die Entstehung der Lohnarbeit und eines städtischen Proletariats in Algier. 1964 erschien eine Arbeit über die Krise der traditionellen Landwirtschaft, die Zerstörung der Gesellschaft sowie die Umsiedlungsaktionen durch die französische Armee, die er gemeinsam mit Abdelmalek Sayad verfasst hatte.

Bourdieu war auch, vor allem in späteren Jahren, ein politischer Intellektueller: Bekannt geworden ist seine Solidarisierung mit streikenden Bahnarbeitern auf einer Betriebsversammlung im Gare de Lyon am 13. Dezember 1995. Im Jahre 1998 unterstützte er die Arbeitslosenbewegung in Frankreich, war Mitbegründer der globalisierungskritischen Bewegung attac und trat im Mai 2000 für eine Vernetzung der sozialen Bewegungen in Europa gegen den Neoliberalismus ein. Die Tendenz zu politischen Stellungnahmen ist jedoch keine Spätentwicklung, sondern äußert sich bereits in seinen frühen Schriften zu Algerien.

Obwohl ins Zentrum der akademischen Macht in Frankreich, dem Collège de France, vorgedrungen, blieb er, aus einfachsten Verhältnissen stammend, Zeit seines Lebens dem Gebaren und den Gepflogenheiten dieser Institution gegenüber innerlich distanziert. Seine kritisch-ironische Antrittsvorlesung Leçon sur la leçon und die großangelegte Studie Homo academicus zeugen davon.

Seine soziologischen Forschungen, zumeist im Alltagsleben verwurzelt, waren vorwiegend empirisch orientiert und können der Kultursoziologie zugeordnet werden. Anknüpfend an den Strukturalismus versuchte Bourdieu, subjektive Faktoren mit objektiven Gegebenheiten zu verbinden. Wissenschaftstheoretisch vertrat er unter anderem die Aufhebung des Dualismus von Subjektivismus und Objektivismus, zwischen Idealismus und Materialismus. Auch zum mittelalterlichen Universalienstreit nahm Bourdieu eine vermittelnde Position zwischen Nominalismus und Realismus ein.

Bourdieu entwickelte seine theoretischen Begriffe unter Einbeziehung der Erfahrungen von Individuen. Er verwendete Leitbegriffe wie Habitus, sozialer Raum, soziales Feld, Kapital und Klasse. Alle diese in der Soziologie und Ökonomie verwendeten Begriffe entwickelte er weiter, so dass sie in der Zusammenschau eine neue empirisch begründete soziologische Theorie ergeben, die in den heutigen soziologischen Diskursen von großer Bedeutung ist und häufig als „Theorie der Praxis“ bezeichnet wird. Mit seinem Konzept einer praxeologischen Erkenntnisweise, das er aus seiner Kritik an der theoretischen Vernunft – den Erkenntnismöglichkeiten eines rein theoretisch arbeitenden Wissenschaftlers – formulierte, wollte er objektive Erkenntnis nicht negieren, sondern überschreiten.

Die Kulturtheorie Bourdieus vergleicht Interaktionen des Alltagslebens mit einem Spiel. Die Individuen besitzen unterschiedlich viele Potentiale verschiedener Art, die sie einsetzen und teilweise umwandeln können: ökonomisches Kapital, soziales Kapital, symbolisches Kapital und kulturelles Kapital. Dabei gilt: Und jeder spielt entsprechend der Höhe seiner Chips. So kann der Erwerb kulturellen Kapitals beispielsweise zur Erhöhung des ökonomischen Kapitals eingesetzt werden.

Das soziale Feld differenziert er weiter und unterscheidet u.a. das politische und das literarische Feld. Die jeweiligen Felder sind mit bestimmten Denk-, Wahrnehmungs- und Handlungsschemata, also einem Habitus verknüpft, über den Individuen wiederum auf soziale Felder zurückwirken. Bourdieu vertritt somit weder einen Strukturdeterminismus noch einen individualistischen Ansatz.

Schon in seinen frühen Schriften legte Bourdieu eine Theorie der symbolischen Formen und der symbolischen Gewalt vor, die er in seinen weiteren Studien verfeinerte. In seinem Hauptwerk Die feinen Unterschiede prägte Bourdieu den Begriff Distinktionsgewinn für die erfolgreiche Durchsetzung eines neuen vorherrschenden Geschmacks und Lebensstils als Mittel im Kampf um gesellschaftliche Positionen. Diese Kulturkämpfe zwischen den gesellschaftlichen Klassen finden in einem sogenannten Raum der Lebensstile statt, wobei die hegemonialen Klassen sich in der Regel an die jeweiligen neuen Bedingungen angepasst, selbst reproduzieren.

Nach Bourdieu gibt es für die menschliche Freiheit vielfältige Begrenzungen, unter anderem durch unbewusste verinnerlichte Faktoren, Illusionen, durch sozioökonomische Strukturen, historische Gegebenheiten, Geschlecht, Nationalität und Weltanschauung. Jedoch hat jeder Mensch innerhalb seiner Grenzen einen individuellen Handlungsspielraum, der umso größer ist, je komplexer die Gesellschaft organisiert ist. Nur auf diesem beschränkten Hintergrund gibt es sozialen Wandel und Innovation.

Wissenschaftliche Vorläufer Bourdieus waren insbesondere Émile Durkheim, Max Weber und Karl Marx. Seine Sozial-Epistemologie ist von Émile Durkheim beeinflusst. Bourdieu verwendet wie dieser den Begriff der sozialen Tatsache und teilt die Grundeinsicht in die Bedeutung der Kultur- und Sozialanthropologie für die Soziologie. Mit Weber verband ihn der Ungleichheitsdiskurs, der sich an der subjektiv ausgerichteten Begriffstrias Klasse, Stand und Partei orientiert. Von Marx übernahm er Teile der objektiv ausgerichteten Konzepte Klasse, Klassenkampf und Kapital, die er über die ökonomischen Aspekte hinaus sehr stark erweiterte. Friedrich Nietzsches Zur Genealogie der Moral stand bei seiner Diskussion des Verhältnisses zwischen dem Adel und den einfachen Leuten Pate.

Sein wissenschaftliches Gesamtwerk zeichnet sich durch hohe Komplexität aus, da er nicht nur verschiedene Wissenschaftssysteme, sondern gleichzeitig eine Vielzahl von neu konnotierten Begrifflichkeiten miteinander verbindet.

Bekannt war Bourdieu zudem als politisch engagierter Intellektueller, der sich gegen die herrschende Elite wandte. Die Aufgabe der neuen sozialen Bewegungen umschrieb er mit dem Begriff der ökonomischen Alphabetisierung. Politisch setzte er sich für Formen direkter Demokratie ein.

Bei seinen Forschungsprojekten setzte Bourdieu qualitative und quantitative Methoden der empirischen Sozialforschung ein. In dem Werk Das Elend der Welt arbeitete er vor allem mit qualitativen Interviews. Um eine Feldanalyse durchzuführen, verwendete er oft das mathematische Verfahren der Korrespondenzanalyse, bei der kategoriale Variablen in einem zwei- oder mehrdimensionalen Raum verortet werden. Mittels des von Jean-Paul Benzécri entwickelten und in der französischen Statistik verbreiteten Verfahrens, rekonstruierte er „soziale Felder“ und die ihnen zugrundeliegenden Dimensionen. In seinem späteren Werk homo academicus, aber auch in Die feinen Unterschiede ist dies ein von ihm häufig verwendetes Verfahren. Er setzte als Bezugspunkte auch die Ergebnisse seiner Feldforschung bei den Berbern ein, beispielsweise in seinem Spätwerk Die männliche Herrschaft.

Wichtige Publikationen

  • 1979 – “Die feinen Unterschiede”. Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft.
    (Original franz. “La distinction”. Critique sociale du jugement)
    Beruht auf empirischen Untersuchungen in Frankreich in den 1960er Jahren.

Weiterführende Links

  • Bourdieux über Lévi-Strauss

    http://www.youtube.com/watch?v=_1_SjJ-rB_I

Quelle: Wikipedia

Bronisław Malinowski

Bronislaw MalinowskiBronisław Kasper Malinowski geboren am 7. April 1884 in Krakau, Polen und gestorben am 16. Mai 1942 in New Haven, USA. Malinowski war ein polnischer Sozialanthropologe. Heute gilt er als einer der Begründer des „britischen Funktionalismus“.

Die längste Zeit seines Lebens stand er mit seinem Rivalen Alfred Radcliffe-Brown wissenschaftlich gesehen im Wettstreit. Sein Einfluss auf die nordamerikanische Kulturanthropologie und auf die soziologische Theorie der Institution (Helmut Schelsky) in Deutschland war bedeutend.

Wichtige Publikationen

  • 1922 – Argonauts of the Western Pacific
  • 1926 – Crime and Custom in Savage Society
  • 1953 – Coral Gardens and Their Magic. A Study of the Methods of Tilling the Soil and of Agricultural Rites in the Trobriand Islands

Weitereführendes

  • BBC Reportage zu Malinowski 1/6

    http://www.youtube.com/watch?v=f22VsAlOwbc

  • BBC Reportage zu Malinowski 2/6

    http://www.youtube.com/watch?v=vgCDuuj6ksI&feature=related

  • BBC Reportage zu Malinowski 3/6

    http://www.youtube.com/watch?v=N-sBtFJMNrA&feature=related

  • BBC Reportage zu Malinowski 4/6

    http://www.youtube.com/watch?v=df9BlSbYiKY&feature=related

  • BBC Reportage zu Malinowski 5/6

    http://www.youtube.com/watch?v=qAt3zhOjdtk&feature=related

  • BBC Reportage zu Malinowski 6/6

    http://www.youtube.com/watch?v=8heZc_dB8NM&feature=related

Quelle: Wikipedia

Claude Lévi Strauss

Claude Lévi-StraussDer französische Ethnologe Claude Lévi-Strauss hat mit ethnosoziologischen Publikationen wichtige Beiträge zur Struktur von Familien, totemischen Clans und den Mythen der Menschheit vorgelegt und dadurch deren Untersuchbarkeit ermöglicht.

Die Mythen der unterschiedlichen Kulturen sind nach Lévi-Strauss Modelle eines auf Ganzheit zielenden wilden Denkens. Unabhängig von ihren verschiedenen Inhalten lassen sich die Mythen auf eine vergleichsweise kleine Gruppe so genannter Mytheme und ihrer Kombinationen zurückführen. Bei den Mythemen handelt es sich um die fundamentalen Einheiten der Mythen, z. B. Held tötet Drachen. Die Mytheme gewinnen ihre Bedeutung nicht durch ihren Inhalt sondern durch ihre Relation zu anderen Mythemen. Mythos, Dichtung und Literatur sind keine kreativen Schöpfungen sondern die Produkte struktureller Determination.

Die menschliche Wirklichkeit selbst bringt Strukturmodelle hervor. Dabei ist es das Grundprinzip, dass der Begriff der sozialen Struktur sich nicht auf die empirische Wirklichkeit bezieht sondern auf die nach dieser Wirklichkeit konstruierten Modelle.

Wichtige Publikationen

  • 1955 Reisebericht “Traurige Tropen (Tristes Tropiques)
  • 1958 erschien die „Anthropologie Structurale“
  • 1962 „Das wilde Denken“
Quelle: Wikipedia

Das Anthropos Journal

ANTHS

Hier einige Informationen zum deutschen Anthropos Journal, das jeweils halbjährlich publiziert wird.

Zahlen und Fakten

  • „Anthropos“ wird halbjährlich veröffentlicht und erscheint als Printausgabe.
  • Umfasst jeweils rund 350 Seiten und erreicht damit jährlich insgesamt 700 Seiten.
  • Journal enthält Buchrezensionen, Artikel und Reportagen
  • Inhalt ist nach Textsorten in Artikel, Berichte und Kommentare, Rezensionen unterteilt
  • Beiträge erscheinen in verschiedenen Sprachen wie Englisch, Deutsch, Französisch und Spanisch
  • Über 100 Autoren weltweit publizieren regelmässig in „Anthropos“
  • Mehrsprachigkeit zeichnet den Charakter der Zeitschrift
  • Aktuelle Auflage des Journals beträgt 750 Kopien
  • In 60 Länder ausgeliefert und gehört deshalb zu weltweit führenden 10 Ethno-Fachzeitschriften
  • Abonnenten sind meistens Bibliotheken und Institute
  • Website des Journals zu finden unter www.anthropos-journal.de (nur in englischer Sprache). Internetseite gibt Auskunft über Inhaltsangaben und Abstracts zu allen Artikeln seit dem Jahr 2000.
  • Zeitschrift kann bei Bedarf direkt über die Website bezogen bzw. abonniert werden.

Themen Schwerpunkte

  • Ziel zunächst durch Zeitschrift Forum für missionarischen Forschungsresultate zu erhalten
  • In ersten Jahren * gelegt, das Fach der Ethnologie bzw. Sozialanthropologie möglichst neutral, ohne Berücksichtigung der religiösen Ziele, zu unterstützen. Die missionarischen Ziele traten etwas in den Hintergrund
  • Verschiedene Richtungsspezialitäten der Anthropologie sind breit vertreten. Zu diesen gehören u.a. Religionsanthropologie, ökonomische Anthropologie, Sozialanthropologie, „Culture History“ und Linguistik

Geschichte

  • „Steyler Missionare“ als katholische Ordensgemeinschaft
  • Arnold Janssen, Ordensgründer, errichtet 1875 erstes Missionshaus im niederländischen Steyl
  • Gründungsort gibt der Ordensgemeinschaft zugleich den Namen
  • Missionare rufen 1906 Zeitschrift „Anthropos“ („Der Mensch“) ins Leben.
  • Thematischer Schwerpunkt des Journals, sei „der Mensch mit allem was ihn ausmacht, von Religion bis zur Wirtschaft, von der Kunst bis zur Sprache“
  • Um Publikationen wissenschaftliche Basis zu geben, wurde 1931 das Anthropos-Institut gegründet. Mit Hilfe „wissenschaftlicher Kenntnisse einheimischer Kulturen“ hatte das Institut zum Ziel ein Fundament zu schaffen, das es ermöglichen sollte, „allen Völkern das Evangelium nahezubringen“

Quellen

  • Anthropos Journal 2009 (2). Freiburg (Schweiz): Paulusverlag
  • Anthropos Institute Website: http://www.anthropos-journal.de

Nisa erzählt. Marjorie Shostak und die Postmoderne

NisaPostmoderne

Die Postmoderne bezeichnet eine Epoche und geistig-kulturelle Bewegung, die schwer zu definieren ist, aber weitgehend durch ihre Zurückweisung – nach anderer Meinung Vollendung – der Moderne unterschieden werden kann. Diskussionen darüber begannen in den Siebzigern.
Die Postmoderne Ethnologie sah ihre Aufgabe darin, die Problematik der Repräsentation bewusst zu machen. Demzufolge war man auf der Suche nach alternativen Repräsentationsformen. Neben neuen Formen ethnographischer Repräsentation folgte auch die Aufwertung entsprechender Texte wie zum Beispiel Autobiographien, Kunstwerke, den Einbezug von Emotionen und polyphonen Darstellungen. Diese gemässigten Formen sind heute weit verbreitet. Wie nun die gemässigte Form mit unterschiedlichen sozialwissenschaftlichen Ansätzen vereinbar ist, zeigt Shostak in diesem Werk ‚Nisa erzählt‘. Dort zeigt sie den kulturökologischen Standpunkt auf, sowie die Reflexion Beziehung Ethnographin – Informantin. In ihrer Darstellungsform sprechen Betroffene.
Reflexivität spielt eine wichtige Rolle. Dem Leser soll die Möglichkeit zur Kontextualisierung gegeben werden. Dies soll zur Ausschaltung eigener kultureller Vorurteile führen. Somit kommen wir zu einem weiteren Merkmal der postmodernen Ethnologie: die Kritik an stereotyper Konstruktion des ‚Anderen‘, sowie die Kritik der Machtausübung mittels Stereotypen. Ebenfalls wird die Autorität des Ethnographen in Frage gestellt. Feminismus war eine aufkommende Bewegung im Westen. Shostak’s eigene feministische Einstellung war auch Motivation, die Kung Frauen zu studieren. Ihre Arbeit ist sicherlich ein anthropologischer Text, sie ist jedoch auch in die feministische Literatur einzuordnen.

Methode
Shostak war nicht die erste, die bei den Kung Feldforschung betrieben hatte. Vor ihr waren Irven DeVore und Richard Lee bereits 1963 dort. Shostak sagt, dass sie deren Arbeiten und Ergebnisse sehr wohl gelesen habe, keine davon hätten jedoch ihre Neugier über die Gefühle, Hoffnungen und Ängste der Kung befriedigen können. Shostak wollte eine andere Art von Ethnographie schreiben. Eine Geschichte über eine andere Kultur, erzählt aus der Perspektive von einer Frau, meist in deren eigenen Worten. Jedes Kapitel beginnt mit einem allgemeinen ethnographischen Bericht, eine Art wissenschaftlicher Kontext, geschrieben von Shostak. Darauf folgt eine abgestimmte Version von Nisa’s eigener Beschreibung über ihr Leben.

Wie erschloss sie die Daten? Sie sprach die Sprache der Kung San. Ihr Hauptinteresse galt der Rolle der Frau in der Gesellschaft der Kung San. Somit begann sie, Lebensgeschichten der dortigen Frauen niederzuschreiben. Das spezielle an ihrem Vorgehen war, dass sie sich den Kung Frauen nicht als Anthropologin präsentierte, sondern als jemand wie sie, die sich mit Themen wie Liebe, Heirat, Arbeit und Identität auseinandersetzt, genau wie die Kung Frauen auch. Dies mag ein wenig amateurhaft klingen, jedoch resultierten aus ihrer Arbeit bemerkenswerte Ergebnisse. Die Beziehung zwischen Shostak und Nisa war wie eine Schüler – Lehrer Beziehung, in der Nisa die Rolle der möglichst objektiven Lehrerin übernahm, die Shostak über das ‚Frau sein‘ in der Kung Gesellschaft informierte. Shostak führte 15 lange Interviews, 4 Jahre später folgten 6 weitere. Dabei verglich Shostak Nisa’s persönliche Geschichten mit ihren eigenen objektiven Beobachtungen über das Leben der Kung. Shostak hatte aber auch Kontakt zu vielen anderen Kung Frauen deren Aussagen die Aufrichtigkeit Nisas bestätigten. Dafür bezahlte sie auch. In erster Linie ist der Fokus in Shostak’s Buch auf eine einzelne Person gerichtet. Dies war eher ungewöhnlich neben anderen zu der Zeit anerkannten anthropologischen Texten. Shostak schrieb Nisas Geschichten möglichst ohne in eine Richtung zu drängen nieder.

Kritik an der Postmoderne
Die Kritiker der Postmoderne sehen in den interpretativen Vorgängen einen Verlust an Wissenschaftlichkeit, die stets auf Intersubjektivität basieren muss.
Den postmodernen Autoren wird vorgeworfen, dass sie sich mehr mit ihren eigenen Methoden und mit ihrer eigenen Person beschäftigen als mit dem Forschungsgegenstand. Nach zwei Dekaden „writing-culture-Debatte“ sind die kritischen Fragen der Autorenschaft hinreichend diskutiert worden, ohne die grundlegenden Probleme gelöst zu haben.

“Die Postmoderne Ethnographie ist von den Literaturwissenschaften inspiriert, dies sieht man zum Beispiel an ihrem Romancharakter. Ethnographien beeinflussen den Blick auf das Fremde. In der postmodernen Ethnographie werden Standpunkte und Perspektiven des Ethnologen untersucht, zum Beispiel: Wie etabliert sich ethnographische Autorität? Die Gesellschaft wird als Bündel von Sichtweisen und Interpritationen angesehn. Die Existenz absoluter Wahrheiten wird verneint, da sie in den gesellschaftlichen Kontext eingebettet sind (alles verändert sich). Die postmoderne Ethnographie stellt eine überfällige Kritik an der eigenen Gesellschaften und der eigenen Wissenschaft (Selbstreflektion) dar. Zwei Tendenzen lassen sich unterscheiden:

  • Erstens die Beschäftigung mit dem eigenen Fach (Kritik) und zweitens
  • Die Suche nach neuen Wegen (neue Teilbereiche und neue Arbeitsfelder der Ethnologie).

Diealogische und diskursive Verfahren werden vermehr eingesetzt. In den Re- studies wird “Altes” neu gelesen, in einen politischen Kontext verortet und Schreibstrategien untersucht.

Kritik an der Postmoderne Ethnographie wurde vor allem an den interpretativen ( subjektive) Vorgängen geübt, die als Verlust an Wissenschaftlichkeit angesehen werden. Ein weiterer Punkt der Kritik stellt die Tatsache dar, dass der Forschungsgegenstand hinter die Reflexion über eigene Methodenund die eigene Personen tritt. Die Frage stellt sich: Sind die alten Probleme wirklich gelöst worden?

Quellen / Weiterführende Links

  • http://dieoff.org/page107.htm
  • http://chnm.gmu.edu/worldhistorysources/unpacking/acctsanalysis2.html
  • http://www.sparknotes.com/lit/nisa/context.html
  • http://www.anthrophoto.comhttp://www.brainworker.ch/Dialog/postmoderne.htm
  • http://www.ethnologie.lmu.de/downloads/HM/EinfuerungInDieEthnologie2007_08.pdf
  • http://willie.itg.uni-muenchen.de:9077/downloads/HM/EinfuehrungInDieEthnologie2007_08.pdf