





In der Sozialanthropologie beginnt die Geschichte des Evolutionismus im 19. Jahrhundert (1860 – 1890). Also kurz nach dem 1859 von Darwin sein berühmtes Werk “Origin of the Species” veröffentlicht wurde. Entscheidend war die damalige Interpretation der Anthropologen, dass Kulturen und Gesellschaften sich auch in einer unilinearen Evolution entwickeln würden. Die Vertreter der klassischen Evolutionisten wie Morgan, Tylor, Frazor waren überzeugt, man könne ohne Weiteres davon ausgehen. Morgan stellte sogar sein stufenbasiertes Modell vor, nachdem drei verschiedene Phasen existierten in der kulturellen Entwicklung von Gesellschaften: Wildheit, Barbarei und Zivilisation. Natürlich befand sich Europa seiner Meinung nach längst auf der letzten höchsten Stufe, der Zivilisation. Solche eurozentristischen Sichtweisen sind denn auch typisch und prägend für den Evolutionismus im 19. und 20. Jahrhundert. Die “Wilden” wurden erforscht, immer aber mit der Idee im Hinterkopf, dass diese ja minderwertig seien. Man war sogar bald überzeugt, dass man Darwins Konzept auch als Beweis aufführen könnte – und so legte man bereits auch die Basis für den Sozialdarwinismus. Dabei wurde Darwin meist missinterpretiert: Es ging bei “survival of the fittest” nicht um das Überleben des Stärkeren, sondern um das Überleben des besser Angepassten, was ein enorm wichtiger und grosser Unterschied darstellt. Somit ist Stärke, Aggressivität und die Behauptung durch Kampf eher nebensächlich für die biologische Entwicklung. Doch viele, unter anderem später auch Adolf Hitler mit seinem Werk “Mein Kampf”, wussten die darwinsche Theorien geschickt für die eigenen Zwecke zu verbiegen. Natürlich muss man auch Darwin selbst kritisch unter die Lupe nehmen. Als ein Mensch im 19. Jahrhundert war auch Darwin nicht frei von einer starken rassistischen Sichtweise der Welt. Auch er veröffentlichte später Bücher, in denen klar von “Rassen” und damit verbunden von “Rassenentwicklungen” gesprochen wird. Die “weisse Rasse” kommt dort schliesslich auch nicht unbedingt schlecht weg, was Darwin somit eigentlich auch zu einem Kollaborateur des Kolonialmismus des späten 19. und des 20. Jahrhunderts machte. Die darwinschen Theorien kamen vielen Kolonialisten gerade recht: Durch minimale Manipulation konnte man sagen, dass die “Wilden” noch auf einer ganz anderen Ebene in der Entwicklung seien. Dies mache sie auch automatisch minderwertig – wenn man in Evolutionsstufen bzw. einer Wertungsweise denkt. Die Folgen kennen wir: Kolonialmächte kontrollieren die halbe Welt. Dies hielt noch eine lange Zeit an, bis zum zweiten Weltkrieg. Danach verfolgte man eine eher Antikoloniale Politik oder sagen wir eine “verdeckte Kolonialpolitik”. Denn bis heute ist der Einfluss der europäsichen Industrienationen auf viele “Entwicklungsländer” und “Schwellenländer” nicht weniger geworden – im Gegenteil. Zwar wird nicht mehr offensiv Territorium besetzt, jedoch beweisen unter anderem die Modernisierungstheorien und Dependenztheorien recht gut, die gezielte und gewollte Verflechtung der Industrieländer mit den unterentwickelten Länder.
Eine neue Strömung, die den Ursprung in den 1930er Jahre hatte, war der Neo-Evolutionismus. Dieser versuchte sich vom sozialwissenschaftlichen Evolutionismus zu lösen und stärker anhand der Naturwissenschaft die Entwicklungen zu erklären. Der Neoevolutionismus unterscheidet sich vom klassischen Evolutionismus durch einige Punkte: Er will keine unhinterfragte Vorstellung einer “kulturellen Entwicklung” und des sozialen Fortschritts. Man spricht bei plötzlichen Veränderungen in der Evolition nicht mehr von “Zufall” oder “freien Willen” sondern eher von “Wahrscheinlichkeiten”. Neoevolutionisten versuchen auch, Wertungen und Bewertungen nicht als wichtig anzusehen, sondern viel eher auf empirische Belegbarkeit zu setzen. Die klassischen Evolutionisten bauten hingegen davor fast nur auf Vermutungen, Wertungen und unbelegbaren Theorien auf. Die mess- und prüfbaren Daten und Informationen (aus Disziplinen wie der Sozialanthropologie, der Paläontologie, der Archäologie und der Geschichtswissenschaft), die angestrebt werden, um die kulturelle Evolution zu analysieren und erklären, sind denn auch ein typisches Merkmal des Neoevolutionismus.
Einer der berühmtesten neoevolutionistischen Vertreter war Leslie White, der die Behauptungen vertrag, dass der Fortschritt einer Gesellschaft vom Energieverbrauch pro Kopf abhängig sei. Energie sei der Schlüssel für die Entwicklung. Am Anfang sei die Energie nur in Form des menschlichen Körpers vorhanden gewesen, erst danach erkannte man den Nutzen der Energie der Elemente wie Wind, Wasser, Feuer und später auch der Tiere (Pferd als Energiequelle z.B. für Arbeit auf Feld).
Sobald das erste Buch Darwins veröffentlicht war, ging der religiöse Streit los: Die Bibel erzählt nämlich eine ganz andere Schöpfungsgeschichte als dies von Darwins Theorie postuliert wird. In der Bibel schuf Gott Adam und Eva, das Paradies. Zwar ist somit auch eine Art von einziger Ursprung (Monogenismus) abgezeichnet, jedoch ist in der biologischen Sichtweise damit eher die Entwicklung aus einfachen Lebewesen zu komplexen gemeint, mit einem Ursprung, nämlich in Form von Bakterien, die sich im Meer entwickelten. Doch eigentlich wäre diese Sicht, auch wenn eine Abstammung von Tieren als Hintergrund hätte akzeptiert werden müssen, für die Religionen ein vertretbares Konzept. Gemäss der Bibel oder auch der jüdischen oder islamischen Religion ist die Idee der Entwicklung aus einem einzigen Ursprung her nicht unbedingt abwegig. Die Existen der ersten Bakterien könnte man ganz simpel durch ein göttliches Zutun begründen. Wieso auch nicht, denn der Beginn des Lebens auf der Erde ist schliesslich noch immer ein Rätsel, das nicht gelöst ist und wohl nie sein wird. Inzwischen hat nun auch die Kirche erkannt, dass sie die Ideen und Theorien des Evolutionismus nicht mehr bestreiten kann. Die Bibel wird daher heute nicht mehr als naturwissenschaftliches Buch betrachtet, sondern als religiöses Werk. Dennoch wollen immer noch viele Kreationisten mit fundamentalen Einstellungen, besonders in den USA oder im Nahen Osten, nichts von dieser biologischen Evolution wissen. Sie setzen vollständig auf die heiligen Texte und Bücher. Heute gibt es auch einen zunehmenden Trend die Evolutionslehre und den Islam miteinander zu vergleichen. Harun Yahya als neuer “Sektenguru” versucht die Evolutionstheorie als Lüge zu entlarven und setzt auf den Islam als Wahrheit. Er geht dabei auch sehr kreationistisch vor und verwendet Wort für Wort Zitate aus dem Koran, der islamischen heiligen Schrift. Zudem hat er ein merkwürdigen Konzept: Er versucht das Scheitern der christlichen Welt zu zeigen, in dem er die westliche Gewaltätigkeit und Übermacht aufzeigt, was sicherlich irgendwo auch begründbar ist, lässt jedoch jegliche östlichen Elemente komplett weg. Es geht also dort weniger um das Widerlegen der Evolutionslehre, sondern viel eher um die Stärkung des Islam, eigentlich um Macht und auch Politik. Harun Yahya ist vermögend und veröffentlichte seine Werke in unzählige Sprachen. Dies zeigt auch, dass er eine breite auch finanzielle Unterstützung vom muslimischen Lager geniesst.
Als George Bush Junior an die Macht gelangte, kam es nicht überraschend, dass er sich immer mehr als sehr gläubiger Christ outete. Er begann die Anti-Evolutionisten in den USA im Bildungsbereich zu unterstützen und setzte sich dafür ein, dass die Schöpfungslehre der Bibel gelehrt wird. Er gab dem Lager der US-Kreationisten also volle Unterstützung vom Präsidentensessel aus. Hier sieht man deutlich einen Zusammenhang zwischen Politik, Religion und schliesslich auch der Macht.
Die Produktion prähistorischer Keramik in der Schweiz wurde unter anderem von Johannes Weiss mit experimental archäologischen Untersuchungen gründlich erforscht. Dabei gelang es ihm verschiedenste Herstellungstechniken wie die prähistorischen, sowie auch römische insbesondere die Terra Sigillata Herstellung beinahe bis ins Detail nach zu vollziehen.
Welche Bestandteile enthält die prähistorische Keramik? Es wurden jeweils zwei Hauptbestandteile verwendet. Dies ist das plastische Ton und die Magerung. Die Magerung hat dabei die Aufgabe Spannungen und Risse zu vermeiden. Diese unerwünschten Effekte treten gerne bei nicht konstanter Hitze im Feuer auf. Indem man dem plastischen Ton die Magerung hinzufügt, vermindert man die Rissbildung. Grobe Magerung aus Gneis und Granit verbessert zusätzlich auch die Wärmeleitfähigkeit von Gefässen. Feinere Gefässe müssen ebenfalls über eine feinere Magerung verfügen, da dort grobe Körner sonst störend sind. Eine ebenfalls sehr wichtige Zugabe ist die Schamotte (zerkleinerter, bereits gebrannter Ton), welche dem Tongemisch hinzugefügt wird. Die Schamotte sollte etwa um 500 bis maximal 800 °C gebrannt worden sein (also in einer prähistorischen Art und Weise). Die hinzugefügte Schamotte ist nach dem Brennen kaum mehr erkennbar. Desweiteren wird häufig organisches Material hinzugefügt wie Holz, Mist und anderes. Die entstehenden kleinen Hohlräume während dem Brand sind bei den prähistorischen Gefässen wohl meist gewollt. Dies macht Gefässe wie beispielsweise Vorratstöpfe luftdurchlässiger, was den Schimmel verhindern kann. Andererseits können solche Gefässe mit dichter organischer Magerung schliesslich nicht für die Aufbewahrung von Flüssigkeiten eingesetzt werden, da diese auslaufen würde. Die Poren können jedoch sehr einfach verschlossen werden, in dem man das Gefäss mit Milch auskocht oder Wachs zum verschliessen verwendet.
Die Drehscheibe ist in Mitteleuropa erst im 6. Jahrhundert v. Chr. aufgetaucht. Dies bedeutet, dass vor der Eisenzeit die Keramik von Hand, ohne drehende Scheibe hergestellt werden musste. Keramik wurde wahrscheinlich jedoch auf einer bereits beweglichen, drehbaren Unterlage wie einem Holzbrett, einem Stück Rinde oder einer Bastmatte produziert. Der Aufbau des Gefässes geschah wahrscheinlich mit der Wulsttechnik. Dabei werden Tonwülste in länglichen Formen ringförmig oder spiralförmig aufeinander aufeinander gesetzt und schliesslich in einander verstrichen. Man kann dies sehr einfach nachweisen, da man bei vielen Keramikgefässen Risse von Bruchstellen gefunden hat. An diesen Stellen wurden die einzelnen Wülste zusammengeklebt oder auch ganze Gefässteile auf- bzw. aneinander gesetzt. Die Wulsttechnik kann so effektiv sein, dass man sie gar nicht mehr erkennen kann, wenn das Gefäss vollendet ist. Durch geschicktes Verstreichen und Glätten, sowie Polieren mit einem weicheren Knochen- oder Holzwerkzeug können Gefässe schliesslich sehr fein und überhaupt nicht zwingend nur plumb und grob wirken. Die prähistorischen Gefässe der Pfyner und Horgener Zeit sind jedoch eher dickwandig, wirken grob und sind in der Tat mit der Aufbautechnik hergestellt worden. Man vermutet, dass sie jedoch sehr schnell aufgebaut worden sind, um ein Zusammenfallen zu vermeiden. Womöglich sind sie deshalb nicht besonders ästhetisch gestaltet worden? Andererseits lag der Fokus bei der Herstellung dieser Töpfe wohl eher auf der funktionellen Endnutzung. Kleine Halteaufsätze wie Knubben oder Lappen wurden separat aufgeklebt oder direkt aus der Wand herausgeformt. Damit die Halterungen sich nicht lösten, wurden Henkel, Ösen oder auch Knubben, Lappen häufig in ein Loch verzapft.
Die Aufträge von Schlick auf Töpfen, welche besonders in der Pfyner Kultur zum Einsatz kamen, bestehen aus einer Mischung aus Arbeitston und Wasser, welche von Hand auf das Gefäss aufgetupft wurden. Durch diese Technik des Auftupfens ergibt sich eine krümelige Oberflächenstruktur. Dabei kann die Fingerführung häufig auf den prähistorischen Gefässen mit Schlicküberzug noch gut beobachtet werden. Das Polieren des Gefässes ist ebenfalls ein wichtiger Arbeitsprozess, wenn ein Gefäss eine glatte Oberfläche haben soll. Es ist dabei wichtig, dass das Polieren noch im weichen Zustand geschieht, wenn das Gefäss lederhart ist, also ungefähr nach dem Austrocknen nach einem halben Tag – je nach aktuellem Wetter und Wärme kürzer oder länger. Eine qualitativ guter Poliervorgang muss wiederholt stattfinden, bis das Gefäss fast Trocken ist. Zum Polieren verwendet man in prähistorischer Zeit meist Poliersteine oder auch ausgediente Steinbeilklingen, glatte Knochenstücke und weiteres. Am Häufigsten wurden Poliersteine aus Hämathit verwendet, die einen charakteristischen roten Strich auf der geglätteten Oberfläche hinterlässt. Das Wiederholen des Poliervorgangs ist recht zeitintensiv. Die prähistorischen Verzierungen umfassen Rillen, Kanellüren, Ritzungen, Einschnitte, Stempeleindrücke, Einpolierungen und auch Aufträge wie beispielsweise eine Schlickverzierung. Als Werkzeuge wurden die Finger, die Fingernägel, Holzteile, Knochenteile, Steine, Schnüre, Kämmen und viels mehr verwendet. Gleichmässige Verzierungen wie Rillen gelingen am besten auf einer drehbaren Unterage. Die meisten Verzierungen werden vor dem Brand angebracht. Es gibt jedoch auch Verzierungen wie das Ankleben von Birkenrinde mit Teer (Birkenteer) oder farbigen Fäden oder z.B. Zinnauflagen, welche erst nach dem Brennen angebracht werden können, da diese sonst durch das Feuer zerstört bzw. eingeschmolzen würden. Der Gesamtaufwand für die Herstellung eines Gefässes lässt sich nicht so einfach definieren. Die entsprechende Verzierung, sowie das Polieren nehmen jedoch meist mehr Zeit in Anspruch als der Aufbau des Gefässes. Flache Gefässe wie Schalen oder Tellerformen nehmen jedoch viel mehr Zeit in Anspruch als beispielsweise Topfformen.
Selbst wenn die Herstellung eines Gefässes nach dem Polieren zu einem hervorragenden Ergebnis geführt hat, steht das wichtigste erst noch an: Der Brand. Durch das Brennen des Tongefässes erhält es erst die notwendige Stabilität und Wetterfestigkeit. In der Sonne getrocknete Keramikgefässe sind zwar auch einsetzbar, jedoch verfallen diese wieder in ihre Einzelmaterialien, sobald sie mit genügend Wasser in Kontakt kommen. In prähistorische Zeit nutzte man wohl vor allem den Grubenbrand als Brandtechnik. Das offene Feuer war sicherlich eines der ersten Brandmöglichkeiten. Jedoch hat der Grubenbrand den Vorteil, dass eine eher gleichmässige Hitze und Wärmeverteilung entstehen kann und diese eher kontrollierbar ist. Der Vorteil ist ebenfalls, dass hohe Gefässe vom Boden bis zum Rand gleichmässig erhitzt werden können.
Die Definition von Typologien gestaltet sich schwierig, da man sie nicht auf alle Gesellschaften einfach so anwenden kann. Von 1940 – 1980 hat sich eine brauchbare Typologie gefestigt. Sie beinhaltet die Betrachtung der Faktoren wie Umwelt und Technologie. Durch diese kommt es zu einer Anhäufung von Individuen in einer Gruppe. So ist es möglich einen Zusammenhang zwischen Gruppen zu erstellen, die in ähnlich klimatischen Verhältnissen leben. Man nimmt an, dass die ökologischen und technologischen Faktoren schliesslich ähnliche politische Strukturen hervorbringen. Beispiele sind die Kung San (Kalahari Wüste), Shoshonen in Utah (in wüstenähnlichen Gebieten). Diese Gruppen organisieren sich in „Bands“. Bands zeichnen sich aus durch: egalitäre Struktur (ohne Führerschaft), ein Nahrungsaustauschsystem, flexible kleine Gruppen. Es gibt jedoch eine grosse Zahl von verschiedenen Bands und Chiefdoms. Man muss sich die Frage stellen, inwiefern man diese einfach so typologisieren kann.
Gesellschaften ohne Staat werden von Pritchard und Fortes als egalitär beschrieben und haben somit keine Führerschaft, keine Regierung. Es gibt auch keine Klassenunterschiede, sowie keine Steuern zu zahlen. Ein segmentäres Lineagesystem ist die Grundlage für die politische Struktur. Beispiele sind die Gesellschaften der Nuer, der Tallensiv, sowie der Dinka. Voraussetzungen sind jedoch, dass es nur wenige Menschen hat (geringe Bevölkerungsdichte), wenig Besitz und somit keine Basis für Macht gibt. Die Struktur der politischen Gruppen ist immer in ein Segment Territorium, ein Segment einer Gruppe und schliesslich in eine Einheit unterteilt. Wichtig sind Rituale und Symbole, in die einzelnen Segmenten! Oft gibt es demokratische Entscheidungen, die getroffen werden; es gibt keine Zentralmacht, die entscheidet!
Verschiedene poltische Formen sind:
Charakteristik:
Sind oft Jäger- und Sammlergruppen (25-150 Menschen), es müssen für Heirat andere Bands aufgesucht werden (Band Exogamie), bilaterale Verwandschaftsstruktur; Austausch von Nahrung sehr wichtig! (Reziprozität).
Beispiele:
Kung San Gruppen in Kalahari mit einfacher Technologie (Graben mit Stock nach Wasser oder Wurzeln), Giftpfeile für Jagd nach Grosswild, Frauen beschaffen ca. 80% der Nahrung (durch Sammeln oder Kleinwild), Männer beschaffen 20% durch Grosswildjagd (Antilopenjagd usw.). Wenig Besitz und oftmaliges Umherwandern in einem Territorium. Bewachen von Gebieten, Konflikte und Streit, jedoch keine Kriege. Heiratsallianzen zwischen den einzelnen Gruppen.
Inuit in einer schwierigen Umwelt (wenig Vegetation, kalt); Fische, Karibu und Robben nur saisonal, weit verbreitet. Dadurch ergibt sich ein starkes Nomadenverhalten > Gruppen von 12 bis zu 300 Menschen. Es existiert keine eigentliche Führerschaft. Bei den Inlandgruppen gibt es Schamanen mit etwas Macht, bei Küstenbewohnern haben Bootsbesitzer minim etwas mehr Macht. Später dann Kontakt mit dem Westen (Pelz- und Walfleisch Handel).
Charakteristik:
Unklarer Begriff von « Tribes », bildet Brücke zwischen Bands und Häuptlingstum (Chiefdom); Stämme sind nicht zentralisierte, egalitäre soziale Systeme, in denen um Autorität gestritten wird; Der Zusammenhalt wird durch die Beziehungen / Beziehungsnetzwerke gesichert. Keine Spezialisierung in der Produktion, kein festes Priesteramt. Zusammenhalt über entweder über Verwandtschaft, wie Bruderschaft (sodality) durch einen gemeinsamen Ahnen oder nicht über Verwandtschaft auf Interessenbasis: Gemeinschaften, Geheimbünde, Interessengruppen.
Vor dem 19. Jh. hatte man noch keine Spezialisierungen in der Anthropologie. Man hatte auch die Vorstellung, dass bei den „Wilden“ nur eine Anarchie herrsche. Im 19 Jh schliesslich Henry Maine’s neue Vorstellung von politischen Strukturen in primitiven, patriarchal verwandtschaftlichen Gemeinschaftssystemen. Lewis Henry Morgan erkannte bei den Irokesen Verwandtschaftsmuster (die Matrilinerarität), sowie Siedlungsmuster (die Matrilokalität). Er hatte die Vorstellung von Evolutionssequenzen: Wildheit, Barbarei, Zivilisation. Es habe zunächst eine Hortikultur gegeben, danach die Jagd und schliesslich sesshafte Gesellschaften mit Landwirtschaft > Diese Vorstellungen sind typisch für das 19. Jh > man spricht von „Evolutionismus“. Der Evolutionismus mit der Vorstellung von Gesellschaften mit gewissen Vereinbarungen wie „kin units“, also Heiratsabkommen. Durch diese Heiraten entstanden Allianzen. Die Heirat ausserhalb der eigenen Gesellschaft war also von Vorteil für das Kollektiv. Die Gesellschaften schlossen sich in Gruppenbündnissen und Stämmen zusammen. Morgans Überlegungen basierten auf seinen Beobachtungen der Irokesen. Dort gab es auch Landwirtschaft und urbane Gebiete/Zentren. Morgan nimmt die Position ein, dass eine Regierung erst durch den Besitz eines Territoriums entstehen kann. Die Entwicklung des Privatbesitzes und die Sesshaftigkeit (Territorium) ist in diesem Zusammenhang wichtig. Wildbeuter besitzen wenig, damit sie mobiler sind. Sesshaftigkeit führt fast automatisch zu mehr Besitz. Klanstrukturen, sogenannte „Lineage“ Systeme, aber auch egalitäre Strukturen, sowie das Fehlen von Privatbesitz sind typisch für „primitive Gesellschaften“ aus seiner Sicht.
Im 20. Jh. veränderte sich die Vorstellung in England/Frankreich durch den Strukturalismus von der Evolution. Radcliff Brown sah die Gesellschaft als ein sich ausgleichendes System (wie ein biologisches System) > jedes Element trägt zur Erhaltung des Gesamten bei. Er setzte einen Fokus auf die Untersuchung von politischen Werten, Normen und Strukturen, die einen Rahmen für die Gesellschaft bilden > Britischer Strukturfunktionalismus. England mit grossem Interesse an ethnologischen Forschungen. Ergebnisse der Erforschungen von politischen Strukturen der „Natives“ sollen helfen die Kolonien besser zu regieren. Beispiel sind die Nuer > Evans Pritchards Feldforschungen. Fortes und Pritchard analysieren 2 afrikanische Systeme. Pritchards Nuer > ohne Zentralmacht. System funktioniert durch segmentäre Lineages und Verwandtschaft; Fortes > System mit König und Administration. Gleichgewichtsidee ist wichtig.
In Frankreich: Es gab unter anderem durch Durkheim eine Abkehr vom Evolutionismus. In den USA war Franz Boas grundsteinlegend, der auf detaillierte Studien setzt. Sein Kulturrelativismus in den USA war sehr prägend („cultural anthropology“).
Das Werk von Robert Lowie „Origin oft the State“ untersucht die Entwicklung von politischen Strukturen zum Staat. Er sieht eine Notwendigkeit für eine höhere Instanz > Der Staat soll die einzelnen Bestandteile zusammenhalten.
Nach dem Funktionalismus gibt es eine selbstausgleichende Balance in Gesellschaften. Symbole, Religion und Rituale sind dabei wichtig, sowie rechtliche Institutionen. Solchen Strukturen sind eher statisch und verändern sich nur sehr träge.
Edmund Leach mit 3 politischen Systemen in Burma, die anarchisch organisiert sind. Das heisst, sie sind traditionell, eher instabil, hierarchisch. Es soll kein Gleichgewicht geben, sondern häufige Konflikte; die Gruppen sind durch Symbole verbunden > es gibt aber eine Differenz zwischen den politischen Idealen und der sich verändernden Realität in Gruppen und zwischen ihnen.
Gluckmann erkennt, dass das Gleichgewicht nicht statisch ist, sondern vielmals konfliktbehaftet und sich dadurch auch verändert. Institutionen erschaffen oftmals auch Konflikte, um von Spannungen abzugleichen > Rituale, Beschuldigungen und Allianzen.
Der Neo-Evolutionismus ist geprägt von Leslie White und Julian Steward. Es gibt hier die Idee, dass es einen Trend von der einfachen Landwirtschaft zu einer intensiven Form gibt. Es bildet sich schliesslich der Privatbesitz heraus. Damit verbunden entstehen Klassen und eine politische Zentralisierung. White und Steward verfolgen eine ökologische, materielle Sichtweise. Es wurde versucht verschiedene Stadien für die politischen Entwicklung / Evolution zu definieren: Die egalitären Wildbeuter Gesellschaften entwickeln sich weiter und werden sesshaft > Sesshaftigkeit > basierend darauf entwickelt sich später der Staat (Staatsbildung).
Victor Turner setzt einen Fokus auf das Individuum. Dieses muss sich durch verschiedene soziale Dramen kämpfen aufgrund der spezifischen Normen und Werte. Er ist der Meinung, dass die Struktur nicht ausreicht und Prozesse, Konflikte und die individuelle Ebene der Akteure betrachtet werden müssen. Er hat die Idee, dass Konflikte und Spannungen eine Art Norm / Standard sind (Prozesstheorie).
Die neue politische Anthropologie wird durch Swartz, Turner, Tuden und Belandier begründet. Sie stellen fest, dass Individuen sich in dynamischen, politischen Arenen agieren, um die Macht und Führerschaft zu erlangen oder zu erhalten. Wer hat welches Amt, wer hat welche Zugänge zu Ressourcen? Die europäischen und amerikanischen Anthropologen lassen nun ab von den Evolutions- und Funktionalismus Ideen.
Die neuen Trends sind feministische politische Anthropologie und Fragen um Gender & Unterdrückung. Weiter wichtig ist Europa und ehemalige Kolonien, die zunehmende Durchdringung von politischen Prozessen in der Welt.
Auch wichtig ist James Scott mit „Weapons of the Weak“ (Diebstahl, Klatsch, kleiner alltägliche Widerstand als Waffe der Armen und Machtlosen > symbolische Widerstandsformen). Es gibt also im Hintergrund viel Widerstand gegen kapitalistische Wirtschaftsstrukturen.
Weiter sind die Postmoderne und die Globalisierung für die politische Anthropologie von Wichtigkeit. Die Postmoderne löste ein allgemeines Hinterfragen der bisherigen Ideen und Konzepte aus. Malinowski, Boas, Turner, Pritchard werden kritisiert und nicht mehr als Anthropologiehelden betrachtet).
Die ethnographische Autorität wird hinterfragt, die Konstruktion von Situationen und Erkenntnissen. Es ist auch wichtig, dass eine Auseinandersetzung mit der Macht stattfindet > Foucault. Er setzt den Fokus auf die Verinnerlichung von Macht. Ebenfalls wichtig ist Bourdieu mit seinem Habitus, der in Fields stattfindet. Er erklärt die Gesellschaft mit Mach aufgrund von Verhaltensweisen. Geld ist nicht alleine Machtbestimmend, sondern das Feld in dem sich die Person bewegen kann.
Die Globalisierung ist wichtig im Zusammenhang mit neuen Formen der Kommunikation, mit vereinfachter Mobilität (Flugzeuge, viele Flugstrecken weltweit), zunehmende globale Handelsflüsse (z.B. Produktion in China), der Einfluss der Medien (Internet), Technologische weiterentwicklungen.
Die Frage nach der Identität in einer geldorientierten Weltordnung mit einer diffusen, unklaren Machtsituation ist sehr wichtig.
Beispiel von Lewellen anhand von Sambia: Es gibt Konflikte um Weidegebiete. Der Staat versucht es mit Weideschutz und stellt Regeln für die Fischerei auf. Die Verwandtschaft und die Religion sind aber für die Macht massgebend. Rituale sind Formen der Sozialversicherung, Prestige ist entscheidend. Der Chief möchte ein Bewässerungssystem und dadurch eine Modernisierung einbringen. Doch die Opposition wehrt sich und will Vieh für die Ila sichern. Das Bewässerungssystem würde viel Viehland unbrauchbar machen. Das Fehlen von Vieh wäre ein Identitätsverlust. Die Opposition setzt also auf eine konservative Haltung, die das alte, traditionelle bewahren will.
„… [there are] some brute facts about the world of the twentieth century that any ethnography must confront. Central among these facts is the changing social, territorial, and cultural reproduction of group identity. As groups migrate, regroup in new locations, reconstruct their histories, and reconfigure their ethnic projects, the ethno in ethnography takes on a slippery, nonlocalized quality, to which the descriptive practices of anthropology will have to respond [..] The terms of the negotiation of between imagined lives and deterritorialized worlds are complex, and they surely cannot be captured by the localizing strategies of traditional ethnography alone. What a new style of ethnography can do is to capture the impact of deterritorialization on the imaginative resources of lived, local experiences.”
“Global Ethnoscapes. Notes and Queries for a Transnational Anthropology” von A. Appadurai
„Es kann eine feindliche Einstellung gegenüber ethnologischen Untersuchungen geben. Das Gefühl besteht, sie unterstellten den Untersuchten Unzivilisiertheit, Wildheit. Die Ethnologie hat hier den Geruch des kulturellen Kolonialismus – eine arrogante Behauptung europäischer Überlegenheit: der weisse Mann studiert den unterlegenen afrikanischen schwarzen Mann. Ihr Misstrauen und ihre Ablehnung haben einige Berechtigung, da sich in der Vergangenheit Ethnologen allzu bereitwillig in den Dienst kolonialer Interessen stellten und sich verkauften. [..] Die Ethnologie ist in der Tat, und ich glaube zu unrecht und ohne dass ihre Intentionen und Errungenschaften wirklich verstanden worden wären, für die Völker der neuen und unabhängigen Staaten, besonders wohl in Afrika, zu einem Schimpfword geworden.”
Evans-Pritchard, 1978
Die Ansicht, dass durch teilnehmende Beobachtung und Interpretation dessen, eine reale Abbildung der Gegebenheiten einer Kultur gemacht würde. Der „ethnographische Realismus“ war jedoch häufig eine Doppelstrategie: einerseits wollte man sich als Autor kompetent ausgeben und beweisen, dass man über eine fremde Kultur berichten konnte und durfte (Selbstautorisierung des Autors) und andererseits wurde die fremde Kultur als Objekt dargestellt, das genau beschrieben werden konnte. Die immer vorhandene Subjektivität beim Verfassen von Ethnographien wurde grundsätzlich nicht erwähnt oder hinterfragt. Wie Clifford Geertz in „Die künstlichen Wilden“ sich passend ausdrückt, gibt es keine objektive Ethnographie. Ethnographen schaffen durch die Abbildung einer fremden Welt zugleich auch immer eine Fiktion. Der Autor nimmt eine Position ein, als ob er alles in seiner Umgebung wahrnehmen könnte, ohne selbst die Ereignisse zu beeinflussen. Er kreiert also immer ein eigenes subjektives Abbild der „Realitäten“. Durch die Beeinflussung des Ethnographen z.B. durch die eigene Anwesenheit oder Interaktion ist kritisch betrachtet eigentlich auch keine Authentizität mehr gegeben!
Autoren wie Malinowski oder Mead haben sich durch die Selbstrepräsentation in ihren Werken sozusagen „mythologisiert“. Beim Lesen eines Buchs von Malinowski kann man annehmen, dass er ein genialer Feldforscher war, der die meisten alle Beobachtungen selbst durchgeführt und sich fehlerfrei merken konnte. Das Autorenselbst (das ein Konstrukt des ethnographischen Realismus ist!) und das Feldforscher selbst wurden als identisch genommen. Die Autoren hätten also im Feld sozusagen in Geistform alles beobachtet, alles gesehen und sogleich auch verstanden. Sie hätten auch durch die eigene Anwesenheit nichts beeinflusst.
Die interpretative Anthropologie ist eine Abgrenzung der Ethnologie/Anthropologie von der analytischen Anthropologie. Ein interpretierender Anthropologie beobachtet und interpretiert seine Beobachtungen. Es erfolgt eine Beobachtung, aber auch eine Kommunikation zwischen dem Anthropologen und den „Forschungobjekten“/Forschungsteilnehmern.
Die Writing Culture Debatte hat in den 1980er Jahren die ethnographische Repräsentationsweise hinterfragt. Insbesondere in Bezug auf Elemente des Kolonialismus. Weitere Punkte sind das Problem der Autorität, das Problem der Authentizität (durch Lehnstuhl und Veranda Anthropologie etc.), die Form der schriftlichen Darstellung z.B. mittels des zu hinterfragenden „Ethnographisches Präsenz“ (Allgemeingültigkeit). Die postmoderne Wende kam schliesslich u.a. durch James Cliffords und Clifford Geertz‘ kritische Publikationen.
“.. [die Anthropologen haben bisher] ihre Schwierigkeiten beim Konstruieren solcher Beschreibungen eher auf die Problematik der Feldforschung zurückgeführt als auf die von Diskurs.” (Geertz, 1993:18).